{"id":591,"date":"2019-03-26T15:09:10","date_gmt":"2019-03-26T13:09:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.psychose-seminar.info\/?page_id=591"},"modified":"2019-03-26T15:09:10","modified_gmt":"2019-03-26T13:09:10","slug":"was-kann-man-einem-psychoseerfahrenen-menschen-noch-zutrauen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.psychose-seminar.de\/?page_id=591","title":{"rendered":"Was kann man einem psychoseerfahrenen Menschen noch zutrauen?"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Anwesend: 15 Leute<\/strong><br><strong><br> Moderation: Frau Bellgarth, Herr Schmidt<\/strong><br><strong><br> Protokoll: Frau Els\u00e4sser<\/strong><br><strong><br> Erster Teil:<\/strong><br><strong><br> Vorstellung des Psychoseseminars<\/strong><br><br> Es gibt im deutschsprachigen Raum ca. 100 Psychoseseminare, die strukturell autark sind. Es handelt sich um einen Trialog zwischen \u00c4rzten, Angeh\u00f6rigen und Betroffenen auf Augenh\u00f6he. Ziel ist es zu verdeutlichen, dass es neben der Akutsituation der Betroffenen auch das ganz normale Leben mit der Erkrankung gibt.<br><br> <strong>Frage in die Runde: Wie sind Ihre Erfahrungen? Wobei wurden Sie<br> \u00fcberfordert bzw. unterfordert?<\/strong><br><br> Erfahrungsaustausch<br><br> \u201eF\u00fcr mich als Angeh\u00f6rige \u2013 mein Neffe ist betroffen \u2013 ist es schwierig<br> einzusch\u00e4tzen, wie ich mit ihm umgehen kann. Er kann pl\u00f6tzlich aggressiv<br> werden.\u201c<br><br> \u201eEs birgt ein gewisses Risiko, als Angeh\u00f6riger mit Betroffenen umzugehen.<br> Besonders wenn sie noch jung sind und sich selbst noch nicht so gut<br> einsch\u00e4tzen k\u00f6nnen. Aber wer kein Risiko eingeht, kann auch nichts gewinnen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass in Watte gepackt werden auch nicht das Wahre ist.\u201c<br> <br>\u201eLeider gibt es keinen 10-Punkte-Plan, wie man es schafft, mit Betroffenen<br> umzugehen.\u201c<br><br> \u201eAls es am Telefon klar war, dass ich Betroffene war, wurde ich in meinen<br> F\u00e4higkeiten untersch\u00e4tzt, bzw. ein Betreuer wurde verlangt und ich f\u00fchlte mich \u00fcbergangen.\u201c<br><br> \u201eIch habe als Betroffener 36 Jahre gebraucht und ich wei\u00df auch nicht, wie ich es geschafft habe. Damals hat mein Arbeitgeber das psychiatrische Gutachten nicht akzeptiert und folglich hat sich an meiner unbefriedigenden Arbeitssituation nichts ge\u00e4ndert. Jahre sp\u00e4ter k\u00fcndigte ich das Arbeitsverh\u00e4ltnis. Durch den Arztwechsel bekam ich eine andere Diagnose und fortan besserte sich meine Behandlung und meine Situation.\u201c<br><br> \u201eNachdem ich in der Werkstatt f\u00fcr Behinderte arbeitete, wechselte ich in einen integrativen Arbeitsplatz. Das hei\u00dft, ich bin noch immer an die Werkstattangegliedert, es ist aber fast wie auf dem ersten Arbeitsmarkt. Es ist ein kleiner Betrieb. Ich genie\u00dfe die Arbeit und bin stolz auf mich. Nur wenige Menschen an der Arbeitsstelle wissen um meine Erkrankung. Das finde ich gut.\u201c<br><br> \u201eEs ist ein langer Weg, mich einsch\u00e4tzen zu lernen. Dazu geh\u00f6rt, die<br> Fr\u00fchwarnzeichen zu erkennen. Zum Beispiel wenn bei Schlafmangel das Gehirn einen Drall bekommt. Dann helfen erst wieder Medikamente, auf den richtigen Weg zur\u00fcckzufinden.\u201c<br><br> \u201eIch bin medikament\u00f6s gut eingestellt. Als ich kurz vor einer Krise war, habe ich mich selbst in die LVR-Klinik eingewiesen. Ich musste etwas \u00fcbertreiben, damit sie mich aufnahmen, aber mit einem weiteren Neuroleptika bin ich bis heute fast symptomfrei.\u201c<br><br> \u201eAls Betroffener habe ich einen bunten Lebenslauf. Pers\u00f6nliche Kontakte \u2013<br> Vitamin B \u2013 helfen bei der Jobsuche.\u201c<br><br> \u201eAls ich noch jung war, war ich durch die Erkrankung sehr unzuverl\u00e4ssig. Durch Betreutes Wohnen und gute Vorbilder \u00fcbte ich mich zu bessern. Das Vertrauen zu anderen musste hart erarbeitet werden. Ich lernte langsam, mich selbst einzusch\u00e4tzen, zum Beispiel dass ich nur in Teilzeit auf dem ersten Arbeitsmarkt arbeiten k\u00f6nnte.\u201c<br><br> \u201eDie Rurtalwerkst\u00e4tten haben mich nicht ad\u00e4quat gef\u00f6rdert. Lediglich das<br> Spektrum der Werkst\u00e4tte wurde ber\u00fccksichtigt. Meine Begabung mit dem<br> Rechner umzugehen, wurde in die Lohnbewertung nicht einbezogen.\u201c<br><br> \u201eIch finde die Lohnbewertung auch problematisch in der Werkst\u00e4tte, denn<br> Gruppenleiter k\u00f6nnen manchmal nicht unterscheiden, ob mangelnde Leistung an der Erkrankung liegt oder aber an der Motivation. Wie auf dem ersten Arbeitsmarkt spielt auch hier die Sympathie eine gro\u00dfe Rolle.\u201c<br><br> \u201eWas ist dran an der Sendung von RTL \u00fcber die Rurtalwerkst\u00e4tte (RTW)?\u201c<br><br> \u201eDie RTW ist bem\u00fcht, ihr schlechtes Image durch die Sendung von RTL zu<br> bessern. Leider ist der Film nur die Spitze des Eisberges. Die RTW ist<br> heruntergewirtschaftet und schlecht organisiert.\u201c<br><br> \u201eWichtig ist eine Tagesstruktur, die die Grenzen und M\u00f6glichkeiten der Person ber\u00fccksichtigt. Nicht nach Schema F: 8 bis 16 Uhr. Manche Menschen haben einen anderen Rhythmus.\u201c<br><br> Pause<br><br><strong> Zweiter Teil<br><br> Wie kann ich mich gegen \u00dcber- und Unterforderung sch\u00fctzen?<\/strong><br><br>\u201eVulnerabilit\u00e4t bedeutet, jeder Mensch ist verschieden anf\u00e4llig bzw. verletzlich gegen\u00fcber einer Psychose. Ein Faktor ist der Stress.\u201c<br><br> \u201eSpielt nur der Stress eine Rolle?\u201c<br><br> \u201eStressoren sind nur ein Faktor bei dem Entstehen von Psychosen\u201c<br><br> \u201eVorboten der Psychose traten bei mir im Alter von 14 bis 15 Jahren auf.<br> Wichtig w\u00e4re Aufkl\u00e4rung\u201c<br><br>Stichworte auf der Flipchart<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Zuh\u00f6ren und Ernst nehmen.<\/li><li>Selbstbewusstsein st\u00e4rken.<\/li><li>Gl\u00fcck mit Menschen<\/li><li>F\u00e4higkeiten herausfinden und st\u00e4rken<\/li><li>in der Auseinandersetzung sich selbst kennen lernen<\/li><li>Zeit als Faktor<\/li><li>Gef\u00fchl f\u00fcr Psychose bekommen<\/li><li>Gespr\u00e4che mit anderen Betroffenen<\/li><li>gesunde, feinf\u00fchlige Abgrenzung lernen<\/li><li>Psychoseseminar<\/li><li>aus Erfahrungen anderer lernen<\/li><li>Medikamente, keine Drogen<\/li><li>Selbsthilfegruppen, Verhaltens\u00e4nderung<\/li><li>Unterst\u00fctzung annehmen im Stress<\/li><li>K\u00f6rperwahrnehmung, Ern\u00e4hrung<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Abschlussrunde: Ein Stein wird herumgereicht mit der Frage: \u201eWas hat Ihnen  diese Veranstaltung gebracht? Was nehmen sie mit? Was lassen Sie hier?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anwesend: 15 Leute Moderation: Frau Bellgarth, Herr Schmidt Protokoll: Frau Els\u00e4sser Erster Teil: Vorstellung des Psychoseseminars Es gibt im deutschsprachigen Raum ca. 100 Psychoseseminare, die strukturell autark sind. Es handelt sich um einen Trialog zwischen \u00c4rzten, Angeh\u00f6rigen und Betroffenen auf Augenh\u00f6he. 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