{"id":54,"date":"1995-11-15T23:10:12","date_gmt":"1995-11-15T21:10:12","guid":{"rendered":"https:\/\/psychose-seminar.info\/?page_id=54"},"modified":"1995-11-15T23:10:12","modified_gmt":"1995-11-15T21:10:12","slug":"einsamkeit","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.psychose-seminar.de\/?page_id=54","title":{"rendered":"Einsamkeit"},"content":{"rendered":"<h1 id=\"firstHeading\" class=\"firstHeading\" lang=\"de\"><\/h1>\n<div id=\"mw-content-text\" class=\"mw-content-ltr\" dir=\"ltr\" lang=\"de\">\n<p><b>Psychoseseminar 15. November 1995<\/b><\/p>\n<ul>\n<li>1) Es st\u00f6rte mich sofort, da\u00df ich in die Einsamkeit geschickt wurde. Ich wollte gerade das Zusammensein genie\u00dfen und den Austausch. In der letzten Zeit bin ich darin empfindlicher geworden. Fr\u00fcher habe ich mich \u00f6fter zur\u00fcckgezogen als gut f\u00fcr mich war. Heute brauche ich st\u00e4rker das Wahrgenommen-werden, das Angesehen- u. Angesprochen-werden. Als ich im letzten Urlaub zuerst eine Woche mit einer Gruppe unterwegs war und dann noch eine Woche allein, da bin ich mir zuletzt zeitweise recht verloren vorgekommen in einem &#8222;fremden&#8220; Land, dessen Sprache ich nur notd\u00fcrftig spreche.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>2) Isoliert zu sein Ausgegrenzt durch Verhaltensweisen die von der Mehrheit nicht hingenommen wird. Obdachlose am Stra\u00dfenrand an denen ich vorbeigehe. Ich denke wenn ich mich mit Aufgaben alleingelassen f\u00fchle bin ich nicht einsam. Einsamkeit in Altenheimen. Sich nicht austauschen k\u00f6nnen, gedanklich, mit anderen. Und keine Aufgaben zu haben. \u00fcberfl\u00fcssig sein.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>3) Angstgef\u00fchl Abstand gegen\u00fcber Mitmenschen Isolation Zukunfts\u00e4ngste Gedanken \u00fcber eigene Fehler Hoffen andere Menschen besser zu verstehen Schuldgef\u00fchle<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>4) Ich empfinde die Einsamkeit nicht gut man braucht einen netten Menschen gerade bei Psyschisch betroffene. Um sich auch besser entfallten zu k\u00f6nnen. Man ist ja auch oft mal einfach darauf angewiesen. Um auch nicht in eine Depression zu verfallen. Gerade auch in der heutige Zeit. Einsamkeit macht die Krankheit nur schlimmer, man sollte, m\u00fc\u00dfte eigentlich mehr andern hilfsbereiter machen. Da es ja auch vielfach Seelisch bedingt ist. Und wiedrum andre Krankheiten mit sich bringt.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>5) wenn ich mich nicht verstanden f\u00fchle f\u00fchle ich mich einsam. Ich habe dann keinen Gespr\u00e4chspartner. Meine Probleme mu\u00df ich allein l\u00f6sen ungl\u00fccklich f\u00fchle ich mich nur, wenn die Einsamkeit mich ausgrenzt. wenn ich mich in eine Gemeinschaft eingebettet f\u00fchle kann ich meine Einsamkeit in der auch meine Induvidualit\u00e4t zum Ausdruck kommt annehmen. In meiner Einsamkeit erlebe ich mich als vollst\u00e4ndiges Individuum. Meine Einsamkeit ist ein gesch\u00fctzter Raum in dem ich mit mir und meinen Gedanken ungest\u00f6rt allein bin.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>6)<\/li>\n<\/ul>\n<p>&#8211; mit seinen Gedanken allein sein<\/p>\n<p>&#8211; keine Kommunikation<\/p>\n<p>&#8211; niemand, der mit einem schweigt<\/p>\n<p>\u2014 keinen Menschen finden, der einen versteht<\/p>\n<p>Einsam ist man, wenn man keinen Menschen hat, der einen versteht. Man ist mit seinen Gedanken, \u00c4ngsten und N\u00f6ten allein und kann sich nicht austauschen \u00fcber seine Gedanken, man ist mit seinen Gedanken allein. Es findet keine Kommunikation statt die auch stattfinden kann, wenn man gemeinsam schweigt.<\/p>\n<ul>\n<li>7) Einsamkeit kann eine Qual sein und Sie macht traurig. Ist die Traurigkeit zu gro\u00df kann eine Depression daraus werden. Man kann unter vielen Menschen einsam sein. Das kann sein, da\u00df man keine Beziehungen aufbaut oder Sie sich nicht aufbauen lassen. Man kann daran arbeiten. Hat man aber keinen Partner wird es schwierig.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>8) Austausch ist f\u00fcr den Menschen lebensnotwendig auch wenn jeder letztendlich allein ist. Ohne Austausch mit anderen kann in mir kaum eine Entwicklung stattfinden. Jeder hat manchmal Einsamkeitsgef\u00fchle, wird oft nicht alle Pers\u00f6nlichkeitsanteile in den Austausch miteingehen oder manche kein Echo finden. Au\u00dferdem kann man manche Dinge nur allein entscheiden. Alleinsein ist auch manchmal notwendig um wieder zu sich zu kommen. Man kann allein sein, ohne sich einsam zu f\u00fchlen. Einsamkeit hat auch mit Verlassenheit zu tun bzw. man kann sich auch einsam f\u00fchlen wenn man selbst jemanden verl\u00e4\u00dft und feststellt, da\u00df das auch manchmal notwendig ist.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>9)<\/li>\n<\/ul>\n<p>\u2014 ausgrenzung \u2014 nicht verstanden werden \u2014 distanz<\/p>\n<p>\u2014 nicht wissen wohin \u2014 manchmal hilflos sein \u2014 abschied<\/p>\n<p>\u2014 nehmen \u2014 verluste sp\u00fcren \u2014 schmerzen real erleben<\/p>\n<p>\u2014 akzeptiert werden, f\u00fcr bestimmte leistungen gelobt werden, mutig sein, beachtung ganz z\u00f6gernd bekommen, neue wege finden, auf andere zugehen, sehnsucht<\/p>\n<ul>\n<li>10) Einsam in der Menschenmenge. Einsam an einem \u00fcberf\u00fcllten Planeten. Einsam, weil viele reden, aber kaum einer zuh\u00f6rt. Einsam, weil ich nicht wirklich vom anderen wahrgenommen werde, wie ich bin. Will ich \u00fcberhaupt wahrgenommen werden? Von wem? Was soll wahrgenommen werden? Wozu brauche ich Kontakt? Wozu brauche ich Kontakt? Brauche ich Kontakt, um nicht zu mir selbst finden zu m\u00fcssen?<\/li>\n<\/ul>\n<p><b>EINSAMKEIT &#8211; Endlich Ruhe! Kein Trubel!<\/b><\/p>\n<p>Alleine sein, mit mir, mit meinen Problemen und Sorgen.<\/p>\n<p>\u2014 Nur meine Probleme. \u2014 keine Kinder \u2014 kein Mann<\/p>\n<p>\u2014 kein Haushalt \u2014 keine Schule \u2014 kein Telefon \u2014 keine Stimmen \u2014 kein Krach.<\/p>\n<p>Meine Festplatte ist einsam. Ich habe keine Verbindung mehr zu ihr. Lieber alleine zufrieden, als in der Menge einsam. Ich brauche mehr Einsamkeit. Ich m\u00f6chte aber auch Kontakt. Beides ist mir wichtig. Kontakt ist mir nur m\u00f6glich, wenn ich genug Einsamkeit habe.<\/p>\n<ul>\n<li>11) Alptr\u00e4ume, Menschenangst, Sinnlehre, Tod, Dunkelheit, Verspannung, Zerrissenheit, Gottesferne, Nebel, Gef\u00fchlsk\u00e4lte, fehlendes Durchsetzungsverm\u00f6gen, Tod eines geliebten Menschen, Frustrationserlebnis, Mutlosigkeit, (kein Spa\u00df an der Arbeit) Krankheit, Abschied, Entt\u00e4uschung und entt\u00e4uscht werden eines anderen Menschen, fehlende Beziehung zum eigenen K\u00f6rper, fehlende Lust oder F\u00e4higkeit zu Sexualleben, Sich \u00fcberfordert f\u00fchlen, Schwarz\u2014Wei\u00df sehen der Umwelt, Unf\u00e4higkeit, sich und andere zu lieben, Sinnloses Besitzstreben, Eifersucht, Neid.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>12) Als Angeh\u00f6rige empfinde ich eine Einsamkeit in der Unm\u00f6glichkeit meiner Freunde zu verstehen was ist, meine vielleicht lebenslange Angst vor meinen wieder eintretenden Belastungen in Sorgen, Angst davor, es vielleicht einmal nicht mehr schaffen zu k\u00f6nnen. Die Freunde und sogar n\u00e4chste Angeh\u00f6rige, die vielleicht gern helfen wollen, aber es nicht k\u00f6nnen. W\u00e4hrend einer Krankheitsphase erlebe ich diese Einsamkeit besonders stark, da man sich zudem unwillk\u00fcrlich von Freunden zur\u00fcckzieht. Einsam machen mich Entt\u00e4uschungen, da wo ich N\u00e4he suche, da wo ich total mi\u00dfverstanden werde, mein Denken und F\u00fchlen, da\u00df ich glaube gut sichtbar zu machen, nicht erkannt wird.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>13) Einsamkeit bedeutet<\/li>\n<\/ul>\n<p>&#8211; tiefe Stille (Leere in sich zu f\u00fchlen)<\/p>\n<p>&#8211; keinen Kontakt haben mit Freunden, Nachbarn und Verwandten<\/p>\n<p>&#8211; sich nur mit den eigenen Problemen zu besch\u00e4ftigen<\/p>\n<p>&#8211; Ohnmacht<\/p>\n<p>&#8211; keine Lust zu versp\u00fcren, Neues zu erleben<\/p>\n<p>Ich bin einsam, wenn ich nicht bereit bin, auf andere einzugehen, Mich abkapsel. Ich bin einsam, wenn ich stets den anderen die Initiative \u00fcberlasse. Ich bin einsam, wenn ich mich in mein Schneckenhaus zur\u00fcckziehe. Ich bin einsam, wenn ich das Gef\u00fchl habe, von meinen Angeh\u00f6rigen nicht geliebt zu werden.<\/p>\n<ul>\n<li>14)<\/li>\n<\/ul>\n<p>&#8211; ohne Kontakt in Gruppen -&gt; ausgeschlossen, einsam<\/p>\n<p>&#8211; Entscheidungen treffen, Verantwortung z.B. bei Suizidgefahr<\/p>\n<p>&#8211; bei Verhaltensweisen\/Handlungen, die mir neu sind, Gef\u00fchl von Einsamkeit<\/p>\n<p>&#8211; Gef\u00fchl nicht liebenswert genug zu sein -&gt; R\u00fcckzug, Einsamkeit<\/p>\n<p>&#8211; eigene Wahrnehmung von Welt entspricht nicht dem Weltbild meiner Umgebung -&gt; Einsamkeit<\/p>\n<p>&#8211; Ohnmacht &amp; Einsamkeit, Ausgeliefert-Sein<\/p>\n<p>&#8211; die Menschen um mich rum, sind mir nicht gut genug, gefallen mir nicht -&gt; Einsamkeit<\/p>\n<p>&#8211; Individualit\u00e4t, d.h. ich bin einmalig -&gt; Trennung von den anderen -&gt; Einsamkeit<\/p>\n<p>&#8211; Arbeitslosigkeit und viel zu Hause -&gt; Einsamkeit<\/p>\n<ul>\n<li>15) Ich habe 2 1\/2 Jahre alleine gewohnt. In dieser Zeit habe ich viel geweint, weil ich sehr einsam war. Mein Hund war zu Hause mein einziger richtiger Freund. Da ich keine Arbeit hatte, hatte ich auch keinen Mut, mir eine Freundin zu suchen. Als ich endlich wieder Arbeit fand, (Juli 92) faste ich neuen Mut. wenn man kein Geld hat (oder zuwenig) wird man nirgendwo richtig anerkannt. Man wird diskriminiert und f\u00fchlt sich dadurch irgendwie allein gelassen. Mein Bruder und seine Frau nutzten meine Situation schamlos aus. Sie hetzten die Nachbern auf mich und wollten mir die Z\u00e4hne einschlagen. Sie versprachen mir eine Arbeitsstelle, was alles gelogen war. Durch diese Situation kam ich in die Psychiatrie, (Psyschich KG), wo ich durch Medikamente noch mehr litt (ich war so einsam und mir ging es so schlecht- L\u00e4hmungserscheinungen), das ich mit dem Leben schon abgeschlossen hatte. Diese Qualen werde ich nie vergessen. Von der Klinik kam ich in eine WG, wo die Leute fr\u00fch schlafen gehen. Dadurch f\u00fchle ich mich abends auch sehr einsam. Ich bin froh, das ich in einem Fu\u00dfballverein bin, wo ich langsam aber sicher wieder zu mir finde und wieder neue Freunde gefunden habe. Im GFC Fu\u00dfballclub ekelte mich der Vorsitzende hinaus, als meine Mutter starb. Da zu der Zeit aber noch meine Schwester bei mir wohnte, kam ich nicht in die Klinik. Ein Feigling bin ich noch nie gewesen. Der Verein schickte mir eine Beitragsrechnung, als ich in der Klinik war. Ich wurde als Kind von einem Nachbarsjungen schwarz und blau verpr\u00fcgelt, ob ich dadurch Hemmungen, was der Kontakt zu Frauen anbetrifft habe, das k\u00f6nnte immerhin m\u00f6glich sein, es kann aber auch eine Erziehungssache sein.<\/li>\n<\/ul>\n<\/div>\n<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.psychoseseminar.info\/p-seminar\/1995-11-2.htm\" width=\"350\" height=\"75\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Psychoseseminar 15. November 1995 1) Es st\u00f6rte mich sofort, da\u00df ich in die Einsamkeit geschickt wurde. Ich wollte gerade das Zusammensein genie\u00dfen und den Austausch. In der letzten Zeit bin ich darin empfindlicher geworden. Fr\u00fcher habe ich mich \u00f6fter zur\u00fcckgezogen als gut f\u00fcr mich war. Heute brauche ich st\u00e4rker das Wahrgenommen-werden, das Angesehen- u. Angesprochen-werden. 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