{"id":320,"date":"2014-11-19T16:59:32","date_gmt":"2014-11-19T14:59:32","guid":{"rendered":"https:\/\/psychose-seminar.info\/?page_id=320"},"modified":"2014-11-19T16:59:32","modified_gmt":"2014-11-19T14:59:32","slug":"soteria-alternative-behandlungsmethode-fuer-akut-psychoseerkrankte-menschen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.psychose-seminar.de\/?page_id=320","title":{"rendered":"Soteria &#8211; alternative Behandlungsmethode f\u00fcr akut psychoseerkrankte Menschen"},"content":{"rendered":"<p><b>Protokoll des Psychoseseminars vom 19. November 2014 von 19.00 \u2013 21:15 Uhr<\/b><\/p>\n<p>Moderation und Protokoll: Frau Dangel<\/p>\n<p>Zu Beginn des Seminars stellt Dr. W. Hin\u00fcber das Soteria Haus vor:<\/p>\n<p>SOTERIA ist griechisch und hei\u00dft Zuflucht \/ Heil \/ Rettung<\/p>\n<p>Ein Professor in Kalifornien hat Ende der 70ziger ein Projekt gestartet, an Schizophrenie akut erkrankte Patienten in einer reizarmen Umgebung zu begleiten. Anlass gaben die sehr schlechten Zust\u00e4nde der Psychiatrie in den USA zu diesem Zeitpunkt. Sein Verst\u00e4ndnis von Psychose war, dass diese auch ohne \u201eBehandlung\u201c aufh\u00f6rt. Er mietete einen Bungalow und begleitete dort acht Patienten ohne weitere Profis. Er richtete sich nach den Bedarfen der Patienten und begleitete sie aktiv und inaktiv. Medikamente spielten eine untergeordnete Rolle. Hier\u00fcber gibt es einen alten schwarz wei\u00df Film namens ArtWG. In den 80ziger Jahren endete dieses Projekt. In Bern entstand dann ein weiteres Soteria Haus (von Luc Ciompi). Er mietete eine Villa, damals gab es 10 Pl\u00e4tze. Heute besteht diese Villa noch. Es werden nicht nur Ersterkrankte sondern auch Wiedererkrankte aufgenommen.<\/p>\n<p>Dr. Hin\u00fcber erz\u00e4hlt \u00fcber seinen \u201eWerdegang\u201c: 1985 war er in der LVR Klinik D\u00fcren t\u00e4tig. Dort entwickelte er die Idee, ein Soteria &#8211; Haus zu er\u00f6ffnen. Er setzte dieses teilweise in Aachen im Alexianer Krankenhaus um. Seit 2012 gibt es das Soteria &#8211; Haus in Gangelt mit 10 Pl\u00e4tzen. Seit 2008 hat Gangelt bereits eine Soteria &#8211; Station. Es gibt keine zus\u00e4tzlichen Gelder f\u00fcr dieses Haus von den Krankenkassen. Die personalintensivere Arbeit durch Beziehungspfleger und Bezugspersonen wird in Gangelt mit der K\u00fcrzung der Akutaufnahmepl\u00e4tze gegengerechnet.<\/p>\n<p>Ziel der Soteria ist so, wenige Medikamente wie m\u00f6glich und so viel wie n\u00f6tig einzusetzen. Teilweise kommen Patienten auch ganz ohne Neuroleptika aus.<\/p>\n<p>Die Soteria \u2013 Elemente sind:<\/p>\n<ul>\n<li>Keine geschlossenen T\u00fcren<\/li>\n<li>Keine Fixierung<\/li>\n<li>Gemeinsam Kochen und Tagesstrukturierung<\/li>\n<li>Bezugsbetreuung<\/li>\n<li>1:1 Begleitung, bei Akutpatienten (und verhandeln, ob sie blieben m\u00f6chten)<\/li>\n<li>Verhandeln der Medikationen<\/li>\n<li>Paten f\u00fcr neue Patienten aus der Patientengruppe<\/li>\n<\/ul>\n<p>In Gangelt gibt es ein 3-Schicht &#8211; System f\u00fcr die Mitarbeiter \/ innen. Das Personal muss passen. Zentraler Punkt ist die Wohnk\u00fcche; dort gibt es gemeinsame Besprechungen. Es gibt nur ein kleines \u201ePsychologenzimmer\u201c. Falls Einzelgespr\u00e4che erforderlich sind, werden diese dort gef\u00fchrt oder in den Zimmern. Angeh\u00f6rige sind willkommen, wenn die Patienten dies w\u00fcnschen.<\/p>\n<p>Patienten kommen aus dem weitl\u00e4ufigen Bundesgebiet. Voraussetzung ist, dass der Patient absprachef\u00e4hig ist und zwischen 18 und 50 Jahren. Ausgeschlossen werden Manien, suizidale Krisen.<\/p>\n<p>Patienten k\u00f6nnen sich direkt an das Soteria \u2013 Haus wenden (auch in gesunden Zeiten). Ben\u00f6tigt wird eine Krankenhauseinweisung. Die Aufenthaltsdauer betr\u00e4gt zwischen 35 und 65 Tage.<\/p>\n<p>Steht eine Suchtproblematik im Vordergrund ist eine Aufnahme im Soteria \u2013 Haus nicht angezeigt. Es findet dort keine Entgiftung statt. Es wird dann mit dem Betroffenen nach Alternativen gesucht.<\/p>\n<p>Es gibt eine Stationsordnung.<\/p>\n<p>Das Haus ist mit Einzelzimmern und Doppelzimmern ausgestattet; diese sind relativ gro\u00df. Jeder Patient kann auch seine pers\u00f6nlichen Sachen mitbringen.<\/p>\n<p>Es gibt eine Putzfrau; trotzdem reinigen die Patienten die Zimmer und das Haus gemeinsam.<\/p>\n<p>Essenzeiten k\u00f6nnen variieren. Das Essen wird gemeinsam zubereitet.<\/p>\n<p>Angeh\u00f6rigen &#8211; Arbeit ist wichtig; auch in der Behandlung. Die Fragen der Angeh\u00f6rigen werden geh\u00f6rt, gemeinsam mit den Patienten. In Krisenzeiten k\u00f6nnen Angeh\u00f6rige auch im Soteria \u2013 Haus bleiben. Auch eine Zusammenarbeit mit Arbeitgebern kann stattfinden; falls gew\u00fcnscht.<\/p>\n<p>Die Wartezeiten sind relativ kurz.<\/p>\n<p>Personell sind im Soteria \u2013 Haus nur \u201eProfis\u201c t\u00e4tig (\u00c4rzte, Pfleger\u2026). Erfahrungen mit Ehrenamtlichen gibt es bisher nicht. Auch keine Ex \u2013 In Genesungsbegleiter (Experinced \u2013 Involvement. Ausbildung f\u00fcr Menschen mit Psychiatrieerfahrung).<\/p>\n<p>Anmerkung: In der Soteria in Bern gibt es noch ein sogenanntes \u201eweiches Zimmer\u201c: Ein reizarmes Zimmer, in dem der Patient auch mit dem Bezugsbetreuer eine Auszeit nehmen kann.<\/p>\n<p>Homepage und Anschrift: Gangelter Einrichtungen Maria Hilf; Soteria \u2013 Haus, Bruchstra\u00dfe 6; 52538 Gangelt, Tel.: 02454 \/ 590. <a class=\"external free\" href=\"http:\/\/www.gangelter-einrichtungen.de\" rel=\"nofollow\">http:\/\/www.gangelter-einrichtungen.de<\/a><\/p>\n<p>Unter <a class=\"external free\" href=\"http:\/\/www.soteria-netzwerk.de\" rel=\"nofollow\">http:\/\/www.soteria-netzwerk.de<\/a> gibt es weiterf\u00fchrende Informationen.<\/p>\n<p>Es kommt die Frage auf, ob es schon \u201eErgebnisse\u201c gibt:<\/p>\n<ul>\n<li>Erkl\u00e4rt wird von Dr. Hin\u00fcber, dass die Patienten vor dem 2ten Schub fr\u00fcher in die Behandlung kommen und die Verweildauer dass k\u00fcrzer ist.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Weiterhin wird gefragt, ob Patienten nach der Entlassung auch ohne Medikamente auskommen k\u00f6nnen.<\/p>\n<ul>\n<li>Dr. Hin\u00fcber weist auf die Webseite der \u201eDeutschen Gesellschaft f\u00fcr sozoale Psychiatrie \u201e hin. Dort gibt es eine Ver\u00f6ffentlichung \u00fcber das \u201eReduzieren und Absetzen von Neuroleptika\u201c. Es wird vermutet, dass Neuroleptika ggf. neurotoxisch wirken k\u00f6nnen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Eine Angeh\u00f6rige berichtet von den Erfahrungen Ihres Mannes mit Neuroleptika. Er hat vor einigen Jahren Haldol nicht dauerhaft, wie von den \u00c4rzten erwartet, sondern nur als Notfallmedikament genutzt. Wenn eine Krise kam, hat die Familie ihn in dieser Zeit aufgefangen und unterst\u00fctzt. Nach der Einnahme des Haldols schlief er viel. Die Medikamente (10mg) nahm nur 3 \u2013 4 mal. Nach der Schlafphase konnte er langsam wieder in das Familienleben integriert werden. Er war dann \u00fcber 15 Jahre jeweils ein halbes bis zwei Jahre symptomfrei. Nach einem Herzinfarkt musste er Herzmedikamente nehmen. Danach wurden die symptomfreien Zeiten immer k\u00fcrzer (2 \u2013 3 Wochen). Jetzt nimmt er neue Neuroleptika.<\/p>\n<p>Medikamente sollen nur mit \u00e4rztlicher Begleitung reduziert werden. In Gangelt ist dies im station\u00e4ren Rahmen m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Berichtet wird anschlie\u00dfend, dass es seit dem 3. November in der LVR Klinik im Haus 6b \u201eWaldschl\u00f6sschen\u201c Soteria \u2013 Elemente umgesetzt werden. Frau Sistig, Stationsleitung, berichtet, dass sehr intensiv mit Herrn Dr. Hin\u00fcber zusammen gearbeitet wurde. F\u00fcr die Mitarbeiter \/ innen war die Umstellung sehr gro\u00df.<\/p>\n<p>Neu ist:<\/p>\n<ul>\n<li>Offene T\u00fcren<\/li>\n<li>Bezugspflegekonzept<\/li>\n<li>Verhandeln mit den Patienten<\/li>\n<li>Angeh\u00f6rigen &#8211; Arbeit<\/li>\n<li>Reduzieren der Medikation<\/li>\n<li>Patienten werde gefragt, was f\u00fcr sie wichtig ist<\/li>\n<\/ul>\n<p>Eine Aufnahme in Haus 6b kann gezielt nachgefragt werden. Tel.Nr. LVR Klinik D\u00fcren: 02421 \/ 400<\/p>\n<p>Weiterf\u00fchrende Information: Am 30. Januar findet im Alexianer Krankenhaus Aachen das NRW Soteria Treffen statt<\/p>\n<p><b>Abschlussrunde:<\/b> Ein Stein wird in die Runde gegeben: Was hat Ihnen diese Veranstaltung gebracht (was nehmen Sie mit? Was lassen Sie hier?)<\/p>\n<p>Verabschiedung und Bedanken bei der Seminargruppe (und dem Gast \/ den G\u00e4sten) \u2013 Hinweis auf das n\u00e4chste Seminar am <b>17. Dezember zu dem Thema \u201eSelbsthilfe \u2013 von der Nachsorge zum Selbstmanagement\u201c<\/b><\/p>\n<p>Dann werden auch Themen f\u00fcr die n\u00e4chsten Termine ab M\u00e4rz 2015 gesammelt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Protokoll des Psychoseseminars vom 19. November 2014 von 19.00 \u2013 21:15 Uhr Moderation und Protokoll: Frau Dangel Zu Beginn des Seminars stellt Dr. W. 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