{"id":306,"date":"2014-03-19T19:27:24","date_gmt":"2014-03-19T17:27:24","guid":{"rendered":"https:\/\/psychose-seminar.info\/?page_id=306"},"modified":"2014-03-19T19:27:24","modified_gmt":"2014-03-19T17:27:24","slug":"medikation-und-psychische-erkrankung","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.psychose-seminar.de\/?page_id=306","title":{"rendered":"Medikation und psychische Erkrankung"},"content":{"rendered":"<p><b>\u201eRohprotokoll\u201c M\u00e4rz 2014<\/b><\/p>\n<p><b>Frage: Welche Erfahrungen haben Sie mit Medikamenten gemacht?<\/b><\/p>\n<p>Die Besucher schreiben ihre Erfahrungen auf je eine Karte. In der anschlie\u00dfenden Gespr\u00e4chsrunde sprechen die Besucher dar\u00fcber und ordnen ihre Erfahrungen dem + oder &#8211; auf dem Boden zu.<\/p>\n<p><b>Negative Erfahrungen:<\/b><\/p>\n<ul>\n<li>Es wird kritisiert, dass in der Klinik zu wenig \u00fcber die Nebenwirkungen aufgekl\u00e4rt wird. \u00c4rztin: Die Aufkl\u00e4rung ist Pflicht, ist aber bei Patienten in einem akuten Schub manchmal schwierig. Die Aufkl\u00e4rung ist auch wichtig, weil man bei bestimmten Medikamente nicht schwanger werden sollte.<\/li>\n<li>Die Psychiater haben oft zu wenig Zeit, die richtige Einstellung der Medikamente und die richtigen Medikamente zu finden. \u00c4rzte vergessen auch manchmal, Laborwerte nach einiger Zeit (z.B. nach einem halben Jahr) abzukl\u00e4ren.<\/li>\n<li>Sie verlangsamen die Sprache.<\/li>\n<li>Ver\u00e4nderung der Wahrnehmung. Ver\u00e4nderung der Pers\u00f6nlichkeit.<\/li>\n<li>Medikamente helfen, f\u00fchren aber zu M\u00fcdigkeit, Lustlosigkeit, Akne im Gesicht, Depression und Konzentrationsschwierigkeiten.<\/li>\n<li>Jemand hat Angst vor Wechselwirkungen. Bei dieser Person hat zweimal die Apotheke reagiert und gewarnt. Erst dadurch wurde ein anderes Medikament verschrieben.<\/li>\n<li>Ein Besucher zweifelt die Wirkung von Antidepressiva an, weil die Depressionsphasen etwa ein halbes Jahr dauerten. 6 Jahre gab es nur wenig Wirkung. Durch Gespr\u00e4chstherapie wurde es besser. \u00c4rztin: Mittel helfen erst nach 2-3 Wochen. Man muss ausprobieren, was hilft. Manchmal ist es auch die Psychotherapie.<\/li>\n<li>Jemand entwickelte Tics.<\/li>\n<li>Bei Neuroleptika kann es Depressionen als Nebenwirkungen geben.<\/li>\n<li>Man muss Nebenwirkungen in Kauf nehmen. \u00c4rztin: Symptomverbesserungen werden oft schon nach Tagen beobachtet. Die Menschen k\u00f6nnen dann wieder klar denken.<\/li>\n<li>Es gab bei Jemandem keine Aufkl\u00e4rung \u00fcber Nebenwirkungen und \u00fcber Abh\u00e4ngigkeit. Info von einer \u00c4rztin: Stimmungsaufhellende Medikamente k\u00f6nnen abh\u00e4ngig machen.<\/li>\n<li>In der Klinik bekam ein Patient so viele Medikamente, dass er nicht mehr wach wurde und auf die Intensivstation musste.<\/li>\n<li>Viele haben Vorurteile gegen die Medikamente.<\/li>\n<li>Ein testosteronsenkendes Mittel wurde ohne Aussprache mit dem Patient gegeben.<\/li>\n<li>Medikamente m\u00fcssen unbedingt regelm\u00e4\u00dfig eingenommen werden, wenn sie wirken sollen.<\/li>\n<li>Der Appetit wird gesteigert bei einigen Medikamenten.<\/li>\n<li>Bei Jemandem mit cannabisinduzierter Psychose helfen die Medikamente nicht. Sie f\u00fchren zu unertr\u00e4glichen Zust\u00e4nden im Kopf. Die Person glaubt dann zu sterben, wird nachts wach und ist unruhig.<\/li>\n<li>Werden die Medikamente abgesetzt, kann es schnell wieder zu einem R\u00fcckfall kommen. Info: Jeder ist selbst verantwortlich und muss entscheiden, ob er die Medikamente absetzt oder nimmt. Das ist schwierig, weil die Symptome dadurch meist schnell wieder kommen.<\/li>\n<li>Jemand bekam von Krebsmitteln eine Depression und durch Antidepressiva erh\u00f6hte sich das Gewicht.<\/li>\n<li>Ein Angeh\u00f6riger nahm mehrere Jahre nur bei einem Schub Neuroleptika. In der Zeit zwischen den Sch\u00fcben hat er ganz normal leben k\u00f6nnen.<\/li>\n<\/ul>\n<p><b>Positive Erfahrungen<\/b><\/p>\n<ul>\n<li>Die Medikamente helfen bei einem Angeh\u00f6rigen, um aus einem Schub heraus zu kommen.<\/li>\n<li>Eine Besucherin ist nach einer Depression wieder im Job. Die Medikamente helfen dabei.<\/li>\n<li>Die Medikamente helfen fast ohne Nebenwirkungen. Sie f\u00fchren aber zur Gewichtszunahme.<\/li>\n<li>Medikamente k\u00f6nnen die Angst nehmen.<\/li>\n<li>Jemand hat durch die Medikamente kaum Angst, konstanten Blutdruck, kaum depressive Phasen und keine Appetitlosigkeit mehr.<\/li>\n<li>Medikamente sind eine erste Hilfestellung, um auf die Beine zu kommen und \u00fcberhaupt f\u00fcr langfristige Ma\u00dfnahmen (Therapien usw.) fit zu sein.<\/li>\n<li>Medikamente k\u00f6nnen zu einer Symptomverbesserung f\u00fchren und damit zur\u00fcck ins Leben.<\/li>\n<li>Sie geben einer Person Schutz zur Bew\u00e4ltigung der t\u00e4glichen Aufgaben und im Umgang mit anderen Menschen.<\/li>\n<li>Medikamente erm\u00f6glichen es einem Besucher ein \u201enormales\u201c Leben zu f\u00fchren.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die \u00c4rztinnen sehen jeden Tag in der Klinik, wie schnell und gut Medikamente Menschen aus akuten Sch\u00fcben holen. Sie sind deshalb erstaunt \u00fcber die vielen negativen Erfahrungen.<\/p>\n<p><b>Pause<\/b><\/p>\n<p>Nach der Pause wurde auf die einzelnen Medikamententypen eingegangen:<\/p>\n<p><b>Antidepressiva:<\/b><\/p>\n<p>a) beruhigend:<\/p>\n<ul>\n<li>trizyklische Antidepressiva<\/li>\n<li>tetrazyklische Antidepressiva (werden eher im Anschluss an Psychosen gegeben.)<\/li>\n<\/ul>\n<p>b) antriebssteigernd\/ stimmungsaufhellend:<\/p>\n<ul>\n<li>bei Angstst\u00f6rungen (Serotoninmangel)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Psychopharmaka wirken auf die Rezeptoren im Gehirn.<\/p>\n<p><b>Serotoninwiederaufnahmehemmer:<\/b><\/p>\n<ul>\n<li>Sexuelle St\u00f6rungen und urogenitale Beschwerden.<\/li>\n<li>K\u00f6nnen die Lebensqualit\u00e4t vermindern.<\/li>\n<li>M\u00fcssen aber manchmal trotzdem sein.<\/li>\n<\/ul>\n<p><b>Neuroleptika:<\/b><\/p>\n<ul>\n<li>Typische Neuroleptika: (alte Medikamente, z. B. Haldol)<\/li>\n<\/ul>\n<p>F\u00fchrt oft zu Bewegungsst\u00f6rungen und zu Spachst\u00f6rungen.<\/p>\n<ul>\n<li>Atypische Neuroleptika: (neue Neuroleptika)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Bewegungsst\u00f6rungen fehlen fast. M\u00f6gliche Nebenwirkungen:<\/p>\n<ul>\n<li>\n<ul>\n<li>Gewichtszunahme<\/li>\n<li>Zuckererh\u00f6hung<\/li>\n<li>Depressionen<\/li>\n<li>Erektionsst\u00f6rungen<\/li>\n<li>Kr\u00e4mpfe<\/li>\n<li>M\u00fcdigkeit<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Hochpotente Neuroleptika: beseitigen akute Symptome wie Wahn, Angst und Halluzinationen.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Niederpotente Neuroleptika: helfen nicht gegen akute Symptome, wirken aber beruhigend<\/li>\n<\/ul>\n<p>Der Arzt muss \u00fcber die Fahrt\u00fcchtigkeit bei den Medikamenten aufkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Stein<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eRohprotokoll\u201c M\u00e4rz 2014 Frage: Welche Erfahrungen haben Sie mit Medikamenten gemacht? 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