{"id":280,"date":"2012-05-16T18:38:29","date_gmt":"2012-05-16T16:38:29","guid":{"rendered":"https:\/\/psychose-seminar.info\/?page_id=280"},"modified":"2012-05-16T18:38:29","modified_gmt":"2012-05-16T16:38:29","slug":"zwangseinweisung-welche-rechte-habe-ich-psychkg","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.psychose-seminar.de\/?page_id=280","title":{"rendered":"Zwangseinweisung &#8211; welche Rechte habe ich? (PsychKG)"},"content":{"rendered":"<p><b>Protokoll des Psychoseseminars vom 16.05.2012 von 19.00 \u2013 20:45 Uhr<\/b><\/p>\n<p>Moderation und Protokoll: Frau Dangel<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst erfolgt die Begr\u00fc\u00dfung des Auditoriums. Das Gesundheitsamt des Kreises D\u00fcren, Sozialpsychiatrischer Dienst wurde vertreten durch die Leiterin Frau Dr. Mechthild Pauels; Vertreter der LVR Klinik war Herrn Casper \u2013 Kiock.<\/p>\n<p>Es wird das Psychoseseminar vorgestellt und Hintergr\u00fcnde dazu erl\u00e4utert.<\/p>\n<p><b>Einstieg:<\/b><\/p>\n<p>Zum Einstieg wird der Art. 2 des GG auf die Flipchart geschrieben:<\/p>\n<p><b>Die W\u00fcrde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu sch\u00fctzen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.<\/b><\/p>\n<p>Einleitend wird vorgetragen, dass das PsychKG ein Landesgesetz ist, das die Zwangseinweisung von psychisch Kranken, die sich oder andere gef\u00e4hrden, erlaubt. Im Gegensatz dazu steht das Recht auf k\u00f6rperliche Unversehrtheit laut Grundgesetz.<\/p>\n<p>Grundgesetz <a class=\"external text\" href=\"http:\/\/bundesrecht.juris.de\/gg\/art_2.html\" rel=\"nofollow\">Art.\u00a02<\/a> Abs.\u00a02 Satz\u00a01 1.\u00a0Alt. das <a class=\"external text\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Grundrecht\" rel=\"nofollow\">Grundrecht<\/a> des <b>Rechts auf Leben<\/b>: Jeder hat das Recht auf Leben und k\u00f6rperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. In diese Rechte darf nur aufgrund eines Gesetzes eingegriffen werden.\u201c<\/p>\n<p><b>Es wird die Frage gestellt:<\/b><\/p>\n<p><b>Hat jemand von Ihnen schon einmal eine Zwangseinweisung als Erfahrener, Angeh\u00f6riger oder Profi erlebt?<\/b><\/p>\n<p>Die Erlebnisse werden durch Nachfragen, Erkl\u00e4rungen und Infos belebt und erg\u00e4nzt.<\/p>\n<p>Es werden folgende Aussagen getroffen:<\/p>\n<p>Ein Betroffener berichtet:<\/p>\n<p>Er erlebte zweimal ein PsychKG (2005 und 2006). Es war ein Richter, ein Stationsarzt und ein Anwalt zugegen. Die Anh\u00f6rung dauerte 3 Minuten. Es wurde gefragt, was der Betroffene getan hat und wie. Daraufhin wurde f\u00fcr 6 Wochen ein PsychKG ausgesprochen. Der Betroffene fand dies skandal\u00f6s, da er nicht von dem Anwalt seine Wahl vertreten werden konnte. Es gab keine Chance, sich zu wehren.<\/p>\n<p>Eine Angeh\u00f6rige berichtet:<\/p>\n<p>Ihr Mann k\u00fcndigte einen Suizidversuch an. Die herbeigerufenen Polizeibeamten waren sehr bem\u00fcht. Sie haben das Ordnungsamt gerufen. Der Termin der Anh\u00f6rung wurde der Frau mitgeteilt. Diesen konnten auch die erwachsenen Kinder wahrnehmen. Das PsychKG wurde dann nach 2 Wochen wieder aufgehoben.<\/p>\n<p>Ein Betroffener berichtet:<\/p>\n<p>Seiner Meinung nach werden in der LVR Klinik verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig viele PsychKG \u201everordnet\u201c. Dies habe auch in der Presse gestanden.<\/p>\n<p>Frau Dr. Pauels erkl\u00e4rt:<\/p>\n<p>Die Zahlen \u00fcber PsychKGs werden an zentraler Stelle gesammelt. In allen St\u00e4dten mit gro\u00dfen Kliniken seien die Zahlen hoch. Es kommen auch viele Patienten, die nicht im Kreis D\u00fcren gemeldet sind. Das erh\u00f6ht die Zahlen zus\u00e4tzlich. Auch ein hoher Anteil gerontopsychiatrischer Patienten aus den Heimen, z. B. bei Alzheimer z\u00e4hlt dazu. Frau Dr. Pauels berichtet weiter, dass sie aktuell heute bei einem Klienten der WAF (Wohnen Arbeit Freizeit, ambulant betreutes Wohnen) ein PsychKG attestieren musste. Sie erkl\u00e4rt, dass durch die steigende Zahl der \u201eambulanten Anbieter\u201c auch die Zahl der psychischen Erkrankten in einem Kreis steigt, da diese sich oftmals durch die Betreuung auch langfristig im Wohnort ansiedeln. Dieser Betroffene hatte eine lange Vorgeschichte mit einhergehender K\u00f6rperverletzung. Es waren vor Ort 2 Ordnungsbeamte und 2 Sozialarbeiter zugegen. In einem Gespr\u00e4ch mit dem Betroffenen konnte einvernehmlich gekl\u00e4rt werden, dass ein PsychKG ausgestellt wird. Es war keine Polizeistreife notwendig. In einem anderen Fall hingegen \u2013 es ging um Suizidalit\u00e4t bei Psychose \u2013 waren die Ordnungsbeamten alleine und der Betroffenen ist entwischt. Frau Dr.Pauels erkl\u00e4rt, dass die Ordnungsbeamten gut eingearbeitet seien. In D\u00fcren sei Herr A. Schmitz zust\u00e4ndig. Bei einem PsychKG muss der Arzt die Diagnose stellen, der Ordnungsbeamte den Antrag und der Richter den Beschluss.<\/p>\n<p>Ein Betroffener fragt warum er nicht von dem Anwalt seines Vertrauens vertreten werden konnte. Dies sei begr\u00fcndet in den praktischen Anl\u00e4ufen. Es g\u00e4be eine zeitliche Vorgabe, die es meistens nicht zul\u00e4sst, den pers\u00f6nlichen Anwalt so kurzfristig zu kontaktieren, so Frau Dr. Pauels.<\/p>\n<p>Frau Dr. Pauels erkl\u00e4rt weiter, dass es ihre Aufgabe auch sei, vorbeugend t\u00e4tig zu werden. Alle aus der Klinik entlassenen Patienten werden angeschrieben und zu einem Gespr\u00e4ch eingeladen.<\/p>\n<p>Es kommt die Frage auf, wie sich jemand wehren \/ beschwerden kann gegen ein PsychKG: Eine Beschwerde kann beim Richter ausgesprochen werden \u2013 es gibt dazu einen Antrag. Dieser geht dann zum Landgericht. Es gibt aber leider lange Bearbeitungszeiten.<\/p>\n<p>Ein Betroffener berichtet:<\/p>\n<p>Bei seinem PsychKG war er 19 Jahre alt. Er befand sich freiwillig in Z\u00fclpich in der Klinik Marienborn zum Drogenentzug. Dort erhielt er dann die Diagnose Psychose und nachtr\u00e4glich ein PsychKG. Dann erfolgte eine Zwangsmedikation mit Haldol. Er hat dieses Vorgehen als Folter erlebt und f\u00fchlt sich als junger Mensch gebrochen. F\u00fcr ihn wurden die Grundrechte ausgehebelt. Er hat den Glauben an die Grundrechte dadurch verloren.<\/p>\n<p>Es werden weitere Aspekte benannt:<\/p>\n<ul>\n<li>geschlossene Unterbringungen k\u00f6nnen zu Traumata f\u00fchren<\/li>\n<li>nach 6 Wochen PsychKG ist man oft kr\u00e4nker als vorher<\/li>\n<li>auch ohne PsychKG kann man traumatisiert werden<\/li>\n<li>entscheidender Aspekt f\u00fcr PsychKG ist Fremd- oder Eigengef\u00e4hrdung, wenn diese aus der Krankheit entstehen<\/li>\n<li>auch die Gesellschaft zeigt suizidales Verhalten (Schadstoffe, Rauchen etc).<\/li>\n<li>f\u00fcr ein PsychKG ist eine psychische Erkrankung Voraussetzung<\/li>\n<li>10% aller Psychosen enden im vollendetem Suizid<\/li>\n<li>Die Dauer einer Unterbringung nach PsychKG ist beim ersten Beschluss maximal 6 Wochen \u2013 kann verl\u00e4ngert werden, ist aber oftmals k\u00fcrzer<\/li>\n<li>es kann bei zu vorzeitigen Entlassungen aus der Klinik zu einem Dreht\u00fcreffekt kommen<\/li>\n<li>es gibt auch traumatische Situationen f\u00fcr Angeh\u00f6rigen, z. B. wenn Partner Suizidversuche begehen<\/li>\n<li>es wird in der Aufnahmestation der LVR Klink D\u00fcren oftmals nicht die Intimsph\u00e4re gewahrt<\/li>\n<li>es muss m\u00f6glich sein, auch auf Aufnahmestationen ein gutes Milieu zu schaffen<\/li>\n<li>die Aufnahmestation der LVR Klinik D\u00fcren soll abgerissen werden und es soll ein neues Geb\u00e4ude entstehen (Information von Frau Dr. Pauels)<\/li>\n<\/ul>\n<p><b>Nach der Pause wird die Frage er\u00f6rtert:<\/b><\/p>\n<p><b>Wie k\u00f6nnen Profis (Polizei, Ordnungsamt, Gesundheitsamt, Richter, Anw\u00e4lte, \u00c4rzte, Klinikpersonal,\u2026), Angeh\u00f6rige und Betroffene die Situation verbessern?<\/b><\/p>\n<p>Dazu gab es folgenden Nennungen von:<\/p>\n<ul>\n<li>Betroffene:\n<ul>\n<li>Psychoseseminare besuchen<\/li>\n<li>Vorsicht bei Internetforen<\/li>\n<li>Medikamente nehmen<\/li>\n<li>Mit \u00c4rzten sprechen<\/li>\n<li>Ehrlich sein<\/li>\n<li>Ruhiger werden<\/li>\n<li>Als Patient mitarbeiten<\/li>\n<li>Therapieangebote wahrnehmen (Sport, Ergotherapie etc). Diese sind aber nur 10% der M\u00f6glichkeiten, den Rest muss der Patient selber aktiv gestalten<\/li>\n<li>Es sind viele kleine Schritte<\/li>\n<li>Es dauert sehr lange<\/li>\n<li>Man muss dem Arzt R\u00fcckmeldung geben bzgl. der Medikamente<\/li>\n<li>Behandlungsvereinbarung abschlie\u00dfen<\/li>\n<li>Sich freiwillig behandeln lassen<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Angeh\u00f6rigen:\n<ul>\n<li>Das eigene Leben weiterleben<\/li>\n<li>Auf sich selber achten<\/li>\n<li>Selber gesund bleiben<\/li>\n<li>\u00dcber die Erkrankung informieren<\/li>\n<li>Behandlungsvereinbarungen anregen<\/li>\n<li>Ruhig bleiben<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Profis:\n<ul>\n<li>M\u00fcssen ihren Job gut machen<\/li>\n<li>Ben\u00f6tigen Fachkompetenz<\/li>\n<li>Routine darf nicht einziehen<\/li>\n<li>Menschw\u00fcrde muss geachtet werden<\/li>\n<li>Betroffene und Angeh\u00f6rige aufkl\u00e4ren<\/li>\n<li>Behandlungsvereinbarung anbieten<\/li>\n<li>Ambulante Betreuung anbieten<\/li>\n<li>Bessere Verteilung der finanziellen Mittel<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p><b>Erg\u00e4nzung:<\/b><\/p>\n<p>Es muss neue Modelle beim PsychKG geben. Er wurde berichtet, dass in Skandinavien ambulante Teams in den Wohnbereich der \/ des Betroffenen kommen und dort bleiben. Trotzdem m\u00fcssen Handfesseln manchmal eingesetzt werden. Im n\u00e4chsten Monat gibt es im Aachener Verein zu diesem Thema eine Veranstaltung. Problem bleibt der Zeitaufwand eines solchen Modells. Andererseits passen sich Patienten im PschKG an und sagen das, was der Arzt \/ die \u00c4rztin h\u00f6ren m\u00f6chte. Im der Klinik k\u00f6nnen Betroffenen nach 3 Tagen eine \u201eFreiwilligenerkl\u00e4rung\u201c unterzeichnen, dass sie sich freiwillig behandeln lassen \u2013 damit wird das PsychKG aufgehoben.<\/p>\n<p><b>Abschlussrunde<\/b> \u2013 ein Stein wird in die Runde gegeben: Was hat Ihnen diese Veranstaltung gebracht? (Was nehmen Sie mit? Was lassen Sie hier?) Verabschiedung und Bedanken bei den G\u00e4sten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Protokoll des Psychoseseminars vom 16.05.2012 von 19.00 \u2013 20:45 Uhr Moderation und Protokoll: Frau Dangel Zun\u00e4chst erfolgt die Begr\u00fc\u00dfung des Auditoriums. Das Gesundheitsamt des Kreises D\u00fcren, Sozialpsychiatrischer Dienst wurde vertreten durch die Leiterin Frau Dr. Mechthild Pauels; Vertreter der LVR Klinik war Herrn Casper \u2013 Kiock. Es wird das Psychoseseminar vorgestellt und Hintergr\u00fcnde dazu erl\u00e4utert. 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