{"id":272,"date":"2011-11-16T18:25:20","date_gmt":"2011-11-16T16:25:20","guid":{"rendered":"https:\/\/psychose-seminar.info\/?page_id=272"},"modified":"2011-11-16T18:25:20","modified_gmt":"2011-11-16T16:25:20","slug":"positive-erfahrungen-trotz-psychosepsychischer-erkrankung","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.psychose-seminar.de\/?page_id=272","title":{"rendered":"Positive Erfahrungen trotz Psychose\/psychischer Erkrankung"},"content":{"rendered":"<p><b>Protokoll des Psychoseseminars vom 16.11.2011 von 19.00 \u2013 20:45 Uhr<\/b><\/p>\n<p>Moderation und Protokoll: Frau Kinzel<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst erfolgt die Begr\u00fc\u00dfung des Auditoriums und des Gastes, Frau Bettina Jahnke, Diplom-Journalistin, Ex-In Genesungsbegleiterin und Ansprechpartnerin der Ex-In Kontaktstelle K\u00f6ln<\/p>\n<p><b>1. Zum Einstieg in das Thema wird in die Runde gefragt und darum gebeten, Stichworte auf Karten zu schreiben:<\/b><\/p>\n<p>Gibt es positive Erfahrungen, die Sie als Betroffener, Angeh\u00f6riger oder Profi im Zusammenhang mit Psychosen gemacht haben?<\/p>\n<p>Pro Erfahrung wird von den Beteiligten eine Karte geschrieben und dann eingesammelt.<\/p>\n<p><b>2. Die auf den Karten notierten Erfahrungen werden reihum vorgelesen und diskutiert:<\/b><\/p>\n<ul>\n<li>Duellsituation \/ unl\u00f6sbarer emotionaler Konflikt<\/li>\n<\/ul>\n<p>Dieser wird jedoch als positive Erfahrung erkl\u00e4rt, obwohl es zun\u00e4chst negativ klingt, so scheint es nach den Schilderungen der Person doch als Einleitung zu einem sehr wichtigen Kl\u00e4rungsprozess, dem ein vorher scheinbar unl\u00f6sbarer Lebenskonflikt zugrunde lag.<\/p>\n<p>Als Hilfe empfand die schildernde Person es, Traumtagebuch zu f\u00fchren.<\/p>\n<ul>\n<li>Bewusstseinserweiterung (intensives Erleben)<\/li>\n<\/ul>\n<p>\u201eDas ist besser als Fernsehen\u201c, kommentiert ein Betroffener und erkl\u00e4rt weiter, dass es sehr viel realistischer scheint. Es wird rege diskutiert; andere Teilnehmer sehen das anders \u2013 es komme auch auf den Inhalt der Psychose an, die ja nun teils als bedrohlich etc. erlebt wird. Eine Angeh\u00f6rige berichtet, dass ihr Mann die Psychosen als sehr massiv erlebe. Derjenige, der das Thema eingebracht hat erwidert, dass er es positiv findet, zu lernen, damit gut umzugehen.<\/p>\n<ul>\n<li>sich neu verorten, Kl\u00e4rung (nach der Psychose)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Es erscheint einer Teilnehmerin sehr wesentlich, nicht nur eine Diagnose zu stellen und richtige Medikamente zu verordnen, es wird als wichtig und positiv empfunden, wenn die erlebten Inhalte besprochen und wenn m\u00f6glich gekl\u00e4rt werden k\u00f6nnten.<\/p>\n<ul>\n<li>positive Reaktionen\/Umgang von Seiten der Familie und Freunde<\/li>\n<\/ul>\n<p>Zu erleben, dass Menschen, die zu dir halten wirklich \u201ehinter dir stehen\u201c und nicht nur \u201eSch\u00f6n-Wetter-Freunde\u201c sind, erleben viele als positiv \u2013 das trennt sozusagen die \u201eSpreu vom Weizen\u201c, da man dann wei\u00df, wem man wirklich wichtig ist.<\/p>\n<p>Es wird diskutiert, dass manche auch negative Erfahrungen mit Reaktionen ihrer Familien und Freunde gemacht haben \u2013 hier wird nochmals erwidert, dass die Personen, die einen weiterhin respektieren und Ernst nehmen, wirkliche Freunde sind.<\/p>\n<ul>\n<li>\u201egebliebene\u201c bzw. neu gewonnene Kontakte nach oder w\u00e4hrend der Erkrankung werden von Betroffenen als sehr authentisch und nicht mehr oberfl\u00e4chlich geschildert<\/li>\n<li>soziale Kontakte zu \u201eGleichgesinnten\u201c werden als sehr positiv benannt<\/li>\n<li>Selbsthilfegruppen werden als bereichernd und positiv erfahren (z.B. Selbsthilfegruppe Wendepunkt bei Depressionen und \u00c4ngsten)<\/li>\n<li>Betreutes Wohnen &#8211; Ein Teilnehmer war positiv \u00fcberrascht, dass es solche M\u00f6glichkeiten wie Betreutes Wohnen gibt, wobei man dennoch in der eigenen Wohnung leben bleiben kann, aber kontinuierlich betreut wird. Es habe sich doch schon einiges verbessert, wenn man bedenkt, dass psychisch kranke Menschen vor Jahrzehnten noch in Verwahranstalten haben leben m\u00fcssen.<\/li>\n<li>Kreative Energie w\u00e4hrend des Schubs \u2013 hiervon wird berichtet, dass dies als sehr positiv erlebt wird \u2013 in Form von Geschichten schreiben \u2013 Zeichnen \u2013 generell Ideen \u2013 neue Einf\u00e4lle.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wenn Antrieb und Kreativit\u00e4t erh\u00f6ht sind und der Betroffene motiviert ist, \u201eetwas in Gang zu setzen\u201c \u2013 hier wird diskutiert, ab wann dies unkontrolliert \u201eausufern\u201c kann z.B. in der Hypomanie\/Manie<\/p>\n<p>Nach einer Depression wird der wieder gewonnene Antrieb als sehr positiv erlebt \u2013 als \u201eUmbruch\u201c<\/p>\n<ul>\n<li>Ver\u00e4nderte Sichtweise auf die Welt durch die neue Erfahrung wird von einigen als positiv geschildert; manche berichten davon, viel Neues ausprobiert zu haben (auch neue Therapieformen z.B. Atemtherapie u.a.); einige berichten von einer sehr positiven Entwicklung, die stattgefunden habe.<\/li>\n<li>Neue Wege \u2013 haben sich f\u00fcr einige der Betroffenen ergeben: z. B. \u00c4nderung der beruflichen Perspektive, etwas sinnvolles f\u00fcr sich selber machen, Achtsamkeit sich selber gegen\u00fcber (was vorher nicht so war), anders mit Stress umgehen gelernt zu haben<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Mit sich selbst besser in Kontakt gekommen zu sein, schildern manche Betroffene; \u00dcberwindung von Oberfl\u00e4chlichkeit, sich selbst reflektieren (nicht nur die Innensicht, auch durch Au\u00dfensicht \u2013 d.h. durch authentische Kontakte und deren R\u00fcckmeldungen)<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Wachstumskrise aus Sinn und Lebenskrise \u2013 so bezeichnet eine Betroffene ihre Erfahrung. Sie sieht ein Trauma als Ausl\u00f6ser der Krise, an der sie wachsen konnte.<\/li>\n<\/ul>\n<p><b>3. Vorstellung positiver Erfahrungen von Bettina Jahnke (Ex-In-Genesungsbegleiterin und Ansprechpartnerin aus der EX-IN-NRW Kontaktstelle K\u00f6ln, sie ist Expertin f\u00fcr Psychosen und Dipl.Journalistin)<\/b><\/p>\n<p>Frau Jahnke erl\u00e4utert, was Ex-In bedeutet:<\/p>\n<p>Experienced Involvement, d.h. Beteiligung Psychiatrie Erfahrener<\/p>\n<p>Hierzu gab es zun\u00e4chst in 2005 ein Pilotprojekt von Wissenschaftlern und Betroffenen, die einen Lehr \u2013 und Lernplan zur Erm\u00f6glichung einer Ex-In-Ausbildung f\u00fcr psychiatrie-erfahrene Menschen entwickelten, die dazu qualifizieren sollte, als MitarbeiterIn in psychiatrischen Diensten oder als DozentIn in der Aus-, Fort- und Weiterbildung t\u00e4tig zu werden. Sechs L\u00e4nder waren an dem Projekt beteiligt. Seit 2008 gibt es die M\u00f6glichkeit der Ex-In-Zertifizierung, die entweder f\u00fcr sich selbst nutzbar ist oder die M\u00f6glichkeit bietet, an der Schnittstelle von Betroffenen und Profis als GesungsbegleiterIn zu arbeiten.<\/p>\n<p>Voraussetzungen:<\/p>\n<ul>\n<li>man muss eine psychiatrische Diagnose haben<\/li>\n<li>ein mal im Monat gibt es ein dreit\u00e4giges Modul<\/li>\n<li>max. 20 Personen mit unterschiedlichen Diagnosen (z.B. Depression, Manie, Borderline..etc.) werden pro Kurs ausgebildet<\/li>\n<li>begleitet wird der Kurs von zwei Trainern \u2013 jeweils ein Profi, ein Betroffener<\/li>\n<li>Der Prozess der Ausbildung ist nicht Defizit-orientiert; eine Gesundheitsf\u00f6rdernde Haltung steht im Vordergrund.<\/li>\n<li>Entgegen bzw. erg\u00e4nzend zur WHO-Definition von Gesundheit (d.h. Abwesenheit von k\u00f6rperlichen und seelischen Leiden; erg\u00e4nzt EX-IN: Gesundheit als Prozess\/Wachstumsprozess<\/li>\n<li>Im Grundkurs der Ausbildung werden die eigenen Erfahrungen reflektiert<\/li>\n<li>Im 2. Modul geht es um den Empowermentprozess<\/li>\n<li>Im Verlaufe der Ausbildung leistet man lt. Fr. Jahnke eine schwierige emotionale Arbeit, die mit Lebensgeschichten hinterlegt ist, dass sei wirklich teils schwierig \u2013 dann aber heilend \u2013 so habe sie es erlebt<\/li>\n<li>Die Gruppendynamik hat Fr. Jahnke positiv erlebt<\/li>\n<li>Nach Ex-In hat jeder das Potential zur Genesung \u2013 jeder hat \u201eden Schl\u00fcssel bei sich\u201c<\/li>\n<li>Man kann ein anderes Krankheitsverst\u00e4ndnis erreichen<\/li>\n<li>Das in der Ausbildung zum Tragen kommende Modell der Selbsterforschung ist lt. Frau Jahnke nicht gef\u00e4hrlich \u2013 obwohl diese Sorge nicht ganz unberechtigt sei \u2013 teilweise sei die Erfahrung retraumatisierend.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Frau Jahnke berichtet zum Schluss ihrer Ausf\u00fchrungen hin, dass sie mittlerweile in einem Sozialpsychiatrischen Zentrum als Genesungsbegleiterin angestellt sei. Sie sieht sich selbst als Hoffnungstr\u00e4ger, der anderen Mut macht und die sichtbar machen m\u00f6chte, f\u00fcr andere Betroffene und f\u00fcr Profis, was ehemalige Betroffene erreichen k\u00f6nnen. Es sei sehr erstrebenswert, die Ausbildung als Gensungsbegleiterin zu einem anerkannten Berufsbild zu machen, leider sei man bislang trotz 300 zertifizierten Stunden lediglich als HelferIn eingestuft.<\/p>\n<p>In einer kurzen Schlussrunde wird deutlich, dass f\u00fcr viele der Anwesenden die M\u00f6glichkeit des Ex-In als Chance zur weiteren Entstigmatisierung von Betroffenen hilfreich sein kann.<\/p>\n<p>In der Abschlussrunde wurde des Weiteren deutlich, dass scheinbar jeder Teilnehmer f\u00fcr sich etwas Neues hat mitnehmen k\u00f6nnen, bzw. in seinen positiven Erfahrungen best\u00e4rkt wurde, indem diese in der Runde respektiert wurden.<\/p>\n<p><b>Abschlussrunde<\/b> \u2013 ein Stein wird in die Runde gegeben: Was hat Ihnen diese Veranstaltung gebracht? (Was nehmen Sie mit? Was lassen Sie hier?) Verabschiedung und Bedanken bei den G\u00e4sten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Protokoll des Psychoseseminars vom 16.11.2011 von 19.00 \u2013 20:45 Uhr Moderation und Protokoll: Frau Kinzel Zun\u00e4chst erfolgt die Begr\u00fc\u00dfung des Auditoriums und des Gastes, Frau Bettina Jahnke, Diplom-Journalistin, Ex-In Genesungsbegleiterin und Ansprechpartnerin der Ex-In Kontaktstelle K\u00f6ln 1. 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