{"id":266,"date":"2011-06-15T18:13:12","date_gmt":"2011-06-15T16:13:12","guid":{"rendered":"https:\/\/psychose-seminar.info\/?page_id=266"},"modified":"2011-06-15T18:13:12","modified_gmt":"2011-06-15T16:13:12","slug":"psychose-und-neue-erkenntnisse-aus-der-hirnforschung","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.psychose-seminar.de\/?page_id=266","title":{"rendered":"Psychose und neue Erkenntnisse aus der Hirnforschung"},"content":{"rendered":"<p><b>Protokoll des Psychoseseminars vom 15. Juni 2011 von 19.00 \u2013 21:00 Uhr<\/b><\/p>\n<p>Moderation und Protokoll: Frau Dangel<\/p>\n<p>Frau Dangel begr\u00fc\u00dft die G\u00e4ste und stellt Herr Prof. Dr. Gr\u00fcnder, stellv. Direktor der Klinik f\u00fcr Psychiatrie und Psychotherapie des Universit\u00e4tsklinikums Aachen und Leiter des Lehr- und Forschungsgebiets Experimentelle Neuropsychiatrie, vor.<\/p>\n<p><b>I) Zum Einstieg in das Thema wurden 2 Thesen in die Gruppe eingebracht:<\/b><\/p>\n<p>These 1:<\/p>\n<p>Eine Psychose kann entstehen, wenn der Hirnstoffwechsel nicht in Takt ist.<\/p>\n<p>These 2:<\/p>\n<p>Lebensgeschichtliche Faktoren (Biographie und Stress) k\u00f6nnen zu einer Psychose f\u00fchren.<\/p>\n<p>Es entstand sofort eine Diskussion mit folgenden Aussagen:<\/p>\n<ul>\n<li>Die Lebensgeschichte hat einen Einfluss auf den Hirnstoffwechsel.<\/li>\n<li>Der Hirnstoffwechsel l\u00e4uft unbewusst ab. Er wird durch Biographie und Erfahrungen beeinflusst, z. B. bei einem Trauma \/ besonders im fr\u00fchkindlichen Stadium.<\/li>\n<li>Der Stoffwechsel wiederum beeinflusst das Verhalten.<\/li>\n<li>Im Gehirn besteht die Veranlagung, dass eine Krankheit ausbrechen kann.<\/li>\n<li>Durch Schlafentzug kann eine Psychose bei allen Menschen ausbrechen.<\/li>\n<li>Es sind Faktoren wie z. B. die eigene Verletzlichkeit \/ Anf\u00e4lligkeit entscheidend, ob eine Krankheit ausbricht. Ist die Verletzlichkeit hoch, reichen geringe Stressfaktoren damit z. B. eine Psychose ausbricht.<\/li>\n<li>Je l\u00e4nger eine Psychose nicht behandelt wird, desto schwieriger wird eine Behandlung.<\/li>\n<li>Wenn sich Symptome \u00fcber Jahre hinweg entwickelt haben, kann die Psychose chronisch werden.<\/li>\n<li>Zwangsst\u00f6rungen m\u00fcssen nicht zwangsl\u00e4ufig zu einer Psychose f\u00fchren.<\/li>\n<li>Gene k\u00f6nnen spezifisch sein, z. B. bei Schizophrenie, bei manisch \u2013 depressiv.<\/li>\n<li>Es gibt unterschiedliche Psychosen z. B. bei Drogen \/ Stress.<\/li>\n<li>Wahninhalte sind biographisch.<\/li>\n<li>Je l\u00e4nger eine Psychose nicht behandelt wird desto ung\u00fcnstiger ist der Verlauf.<\/li>\n<li>Bei einer Psychose ist der \u201eFilter\u201c gest\u00f6rt \u2013 alles was geredet wird bezieht der Betroffene auf sich.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Es kam die Frage auf, ob durch eine fr\u00fchkindliche Pr\u00e4gung \u2013 z. B. eine \u00fcberstarke Kontrolle durch die Mutter \u2013 eine Psychose auftreten kann. Prof. Dr. Gr\u00fcner erkl\u00e4rte, dass Erziehungsstile alleine nicht das Risiko einer Psychose erh\u00f6hen. Sie k\u00f6nnen aber den Verlauf der Erkrankung beeinflussen. Die Konstellation der Gene sei ausschlaggebend.<\/p>\n<p>Kinder erkranken unter 10 Jahren nicht an einer Psychose, Jugendliche bis Mitte 20 auch eher selten. Hier wird angegeben, dass dieses m\u00f6glicherweise mit der Hirnreifung zusammenh\u00e4ngt. Die Anf\u00e4lligkeit zu erkranken erh\u00f6ht sich im Erwachsenenalter. Fr\u00fchkindliche St\u00f6rungen (z. B. eine fr\u00fche Trennung von der Mutter) \u00f6nnen dann zu einer Erkrankung (hier Depression) f\u00fchren. Dies f\u00fchrt auch zu neurobiologischen Ver\u00e4nderungen im Gehirn.<\/p>\n<p>Es kam die Frage auf, wie die Psychose historisch in die Entwicklung der Menschheit passt. Herr Prof. Dr. Gr\u00fcnder erkl\u00e4rte, das eine Psychose erst mit der Sprachentwicklung auftreten konnte. Als Einzelgen kann \u201esie\u201c sogar positiv f\u00fcr den Betroffenen sein, daher sei diese Erkrankung evolution\u00e4r nicht ausgerottet worden. Tiere k\u00f6nnen nicht psychotisch sein \u2013 eher Nervenkrank.<\/p>\n<p>Es kann auch organische Ursachen f\u00fcr eine Psychose geben, z. B. hervorgerufen durch Antibiotikum (durch Schmerzmittel eher nicht).<\/p>\n<p><b>II) Medikamente und Psychose<\/b><\/p>\n<p>Es wurden an Herr Prof. Dr. Gr\u00fcnder viele Fragen zu Medikamenten und Wirkungen gestellt. Diese seien hier kurz erw\u00e4hnt:<\/p>\n<ul>\n<li>Wie wirken Medikamente auf den Hirnstoffwechsel? Bei einer Psychose ist der Botenstoff Dopamin zu hoch \u2013 Medikamente reduzieren diesen. Im Akutfall muss zun\u00e4chst mit Medikamenten behandelt werden. Nach R\u00fcckgang der Akutsymptome wird die Lebensgestaltung in die Behandlung einbezogen \u2013 Psychoedukation<\/li>\n<\/ul>\n<p><a class=\"external text\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Psychoedukation\" rel=\"nofollow\">Psychoedukation auf Wikipedia<\/a><\/p>\n<ul>\n<li>Wieso gibt es immer wieder R\u00fcckf\u00e4lle? Die Verl\u00e4ufe von Psychosen sind unterschiedlich. Etwa 10\u00a0% der Erkrankten erleben keinen R\u00fcckfall, andere erleben R\u00fcckf\u00e4lle bis hin zu chronischen Verl\u00e4ufen. R\u00fcckf\u00e4lle k\u00f6nnen z. B. durch Stress entstehen. Die Wirkung der Medikamente kann \u00fcber Jahre abnehmen.<\/li>\n<li>Wie lange sollen Medikamente genommen werden? Dies ist abh\u00e4ngig von der Vorpr\u00e4gung, den Anlagen, der Schwere der Erkrankung und dem Verlauf.<\/li>\n<li>Zerst\u00f6rt eine Psychose etwas Irreparables im Gehirn? \u2013 Nein!<\/li>\n<li>Welche Medikamente werden verabreicht?\n<ul>\n<li>Haldol &#8211; in geringen Dosen (5mg) (fr\u00fcher in zu hohen Dosen)<\/li>\n<li>Zyprexa &#8211; ab Mitte der 90ziger<\/li>\n<li>Risperdal<\/li>\n<li>Seroquel<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>(Es gab noch weitere Nennungen) Die Medikamente wirken meist dopaminhemmend aber auch teilweise serotoninerh\u00f6hend.<\/p>\n<p>(Rithalin ist ein Stimmulanzmittel bei ADHS)<\/p>\n<p>Eine Angeh\u00f6rige berichtete, dass ihr Mann mit sehr hohen Dosen Haldol (30mg) behandelt wurde. Er hat die Medikamente nicht genommen, weil er damit nicht leben wollte.<\/p>\n<p>Eine Angeh\u00f6rige berichtete, sie habe gelesen bestimmte Psychopharmaka und Betablocker k\u00f6nnten Diabetes hervorrufen. Prof. Dr. Gr\u00fcnder best\u00e4tigte dies. Dies gilt aber nur f\u00fcr wenige Medikamente. Den \u00c4rzten ist bewusst, dass die Medikamente noch nicht optimal sind. Sie sind aber schon viel besser geworden.<\/p>\n<ul>\n<li>Kommen noch neue Medikamente auf den Markt?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Es wird noch Jahre dauern bis die Forschung neue Medikamente die z. b. auf den Botenstoff Glutamat wirken, freigibt. Erg\u00e4nzt wurde hier, dass Langzeiterkrankte das Gef\u00fchl daf\u00fcr verlieren, wann es ihnen gut geht. In der Forschung wird daher auch die Lebensqualit\u00e4t der Erkrankten erforscht.<\/p>\n<p><b>III) Therapien + Forschung<\/b><\/p>\n<p>Es wurden verschiedene Fragen zu Therapiemethoden und zur Forschung angesprochen:<\/p>\n<ul>\n<li>Elektroentkrampfungstherapie, z. B, bei therapieresistenter Depression \u2013 bei Psychosen weniger<\/li>\n<li>Hirnstimmulation, z. B. bei Morbusparkinson \u2013 Patienten, bei Depression nur wenige, bei Psychose keine Anwendung<\/li>\n<\/ul>\n<p>L\u00e4sst sich eine Psychose messen? &#8211; Nein!<\/p>\n<p>Gibt es Tests die eine Psychose oder Depression feststellen k\u00f6nnen? Ja, auf PC oder auch Papier \u2013 es werden eine Menge Punkte abgefragt \u2013 hier\u00fcber kann aber keine Diagnose stattfinden.<\/p>\n<p>Gibt es eine Vision, Erkrankungen zu messen? Ja, mit bildgebenden Verfahren und Kernspinn. Im Kernspinn ist eine Ver\u00e4nderung der Hirnareale erkennbar \u2013 aber es gibt keine Bestimmung dar\u00fcber, welche Ver\u00e4nderungen eine Psychose anzeigen. Eine Psychose ist nicht auf den ersten Blick erkennbar (Beispiel G\u00fcnther Walraff: Er hat sich als scheinbar psychotischer Mensch in eine Psychiatrie einweisen lassen).<\/p>\n<p>Werden Prozesse im Gehirn bei einer Psychose beschleunigt? \u2013 Nein!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Protokoll des Psychoseseminars vom 15. 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