{"id":262,"date":"2011-04-20T18:07:01","date_gmt":"2011-04-20T16:07:01","guid":{"rendered":"https:\/\/psychose-seminar.info\/?page_id=262"},"modified":"2011-04-20T18:07:01","modified_gmt":"2011-04-20T16:07:01","slug":"wie-moechte-ich-behandelt-werden-als-betroffener-angehoeriger-und-profi","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.psychose-seminar.de\/?page_id=262","title":{"rendered":"Wie m\u00f6chte ich behandelt werden als Betroffener, Angeh\u00f6riger und Profi?"},"content":{"rendered":"<p><b>Protokoll des Psychoseseminars vom 20.4.2011<\/b><\/p>\n<p>19.00 \u2013 21.15 Uhr<\/p>\n<p>15 Teilnehmer<\/p>\n<p>Moderation: Matthias Schmidt, Protokoll: Brunhilde Sieburg<\/p>\n<p>Herr Schmidt begr\u00fc\u00dft die G\u00e4ste und stellt Dr. Zwernemann aus der Klinik vor.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst sollen sich die Teilnehmer \u00fcberlegen, welche negativen Erfahrungen sie im Umgang miteinander gemacht haben. Die Erfahrungen sollen in Stichpunkten auf farbige Karten geschrieben werden. Es gibt f\u00fcr jede Personengruppe eine Farbe. Man darf auch Erfahrungen aufschreiben, die man bei anderen Personengruppen beobachtet hat.<\/p>\n<p>Da die Bed\u00fcrfnisse von Angeh\u00f6rigen und Profis in unseren Seminaren oft hinten an stehen, beginnen wir zun\u00e4chst mit diesen.<\/p>\n<p><b>Profis<\/b> (Die Karten werden zun\u00e4chst vorgelesen)<\/p>\n<p><b>Kartenabfrage:<\/b> Wie wollen Profis nicht behandelt werden? Wie wollen sie nicht sein? Was m\u00f6chten sie nicht mehr erleben!<\/p>\n<ul>\n<li>perfekt<\/li>\n<li>allwissend<\/li>\n<li>\u201eDu musst die Verantwortung f\u00fcr alles \u00fcbernehmen\/ musst mich retten.\u201c<\/li>\n<li>Viele werden von den Patienten belogen. (Witz. Zahnb\u00fcrste &gt; Hund)<\/li>\n<li>Wollen nicht jederzeit Ansprechpartner sein, brauchen auch Struktur.<\/li>\n<li>Allesk\u00f6nner<\/li>\n<li>Allesregler<\/li>\n<li>alleinverantwortlich<\/li>\n<\/ul>\n<p><b>Gespr\u00e4chsnotizen<\/b><\/p>\n<ul>\n<li>Die L\u00fcgen werden zuerst angesprochen. Hier der ganze Witz: \u201eEin Patient in der Klinik f\u00fchrt seine Zahnb\u00fcrste an der Leine und h\u00e4lt sie f\u00fcr seinen Hund. Der Patient muss zur Kontrolle zum Arzt. Dem Arzt erz\u00e4hlt er, dass die Zahnb\u00fcrste nat\u00fcrlich nur eine Zahnb\u00fcrste ist. Er wird als geheilt aus der Klinik entlassen. Hinter der n\u00e4chsten Ecke sagt er \u201aseinem Hund\u2018: \u201eNa Fiffi, da haben wir den Arzt aber toll reingelegt.\u201c<\/li>\n<li>Eine Angeh\u00f6rige erz\u00e4hlt, dass sie \u00e4hnliches Verhalten bei ihrem Angeh\u00f6rigen erlebt hat, wenn mit den \u00c4rzten nicht zu reden war und diese uneinsichtig waren. Die Betroffenen sch\u00fctzen sich dann mit den L\u00fcgen.<\/li>\n<li>Ein Arzt sagt, er w\u00fcrde L\u00fcgen ansprechen, um so einen neuen Anfang f\u00fcr eine vertrauensvolle Beziehung zu erreichen.<\/li>\n<li>Betroffene erz\u00e4hlen von ihren \u00c4ngsten, die oft zu diesen \u201eNotl\u00fcgen\u201c f\u00fchren, wenn das Vertrauen noch nicht da ist. Die meisten Betroffenen erz\u00e4hlen, dass sie sich mehr ge\u00f6ffnet haben, sobald sie dem Arzt vertrauen konnten.<\/li>\n<li>Betroffene sprechen an, dass manchmal auch mit Station 11 (Aufnahmestation mit \u00dcberwachungsm\u00f6glichkeiten) gedroht wird. Vor allem Suizidgef\u00e4hrdete l\u00fcgen, um nicht nach Station 11 zu m\u00fcssen.<\/li>\n<li>Es wurde angeregt, den Betroffenen keine Angst vor bestimmten Stationen zu machen. Auch Betroffene k\u00f6nnten sich untereinander mit sachlichen Informationen \u00fcber diese Stationen gegenseitig helfen, statt sich zus\u00e4tzliche Angst zu machen.<\/li>\n<li>Es wird angesprochen, dass das Image der Klinik zwar besser geworden ist, aber nur bei denen, die bereits Kontakt mit der Klinik hatten. In der Bev\u00f6lkerung geistern noch immer merkw\u00fcrdige Vorstellungen herum. Diese erschweren eine Erstbehandlung, da hier die Vorurteile noch mit behandelt werden m\u00fcssen.<\/li>\n<li>Betroffene kritisieren auch das Verhalten und die Vorurteile von Besuchern, die es nicht ertragen k\u00f6nnen, dass hinter ihnen abgeschlossen wird und die deswegen nicht in die Klinik kommen.<\/li>\n<li>Es wird kritisiert, dass es im Internet keine Bilder von den Stationen zu sehen gibt. Hier wurde mehr Offenheit erw\u00fcnscht. Auch der Fixierraum sollte (nat\u00fcrlich alles ohne Patienten) im Netz zu sehen sein.<\/li>\n<li>Betroffene erz\u00e4hlen von ihren Aufenthalten auf der Aufnahmestation. Es sei laut gewesen. Patienten h\u00e4tten geklaut. Man musste Angst vor anderen Patienten haben. Junge Betroffene berichten, dass sie mit gerade 18 Jahren auf diese Station mussten und traumatisiert wieder heraus kamen. Einer erz\u00e4hlte, er h\u00e4tte das Gef\u00fchl, man h\u00e4tte ihn brechen wollen, um ihn dann wieder neu aufzubauen. Auch \u00e4ltere Betroffene berichten, sie seien kr\u00e4nker von dieser Station raus gekommen als wieder rein.<\/li>\n<li>Das Psych. KG, das zu einer geschlossenen Unterbringung gef\u00fchrt hatte, wurde von einem Betroffenen als Farce bezeichnet. Es hatte 3 Minuten gedauert und der Betroffene hatte das Gef\u00fchl, dass Richter, Rechtsanwalt und Arzt sich schnell durch Kopfnicken einig waren und er selber v\u00f6llig machtlos war.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Diskussion zeigte wieder, dass die Not der Betroffenen manchmal das Thema sprengt. Es wurde deshalb zum Schluss dieser Phase noch einmal an das Thema erinnert und diskutiert und aufgeschrieben, wie Profis behandelt werden wollen.<\/p>\n<p><b>Ergebnisse:<\/b> Wie wollen Profis behandelt werden?<\/p>\n<ul>\n<li>Profis wollen als Partner behandelt werden, sie wollen die Wahrheit h\u00f6ren, wollen Ehrlichkeit.<\/li>\n<li>Sie wollen den Austausch und die Zusammenarbeit mit den Betroffenen.<\/li>\n<li>Sie sind keine Halbg\u00f6tter in Wei\u00df, sondern Menschen, die auch Gef\u00fchle, Probleme und Bed\u00fcrfnisse haben.<\/li>\n<li>Sie sind keine Maschinen, haben Schw\u00e4chen und brauchen ihre Freizeit und ihre Pausen zur Erholung.<\/li>\n<li>Sie w\u00fcnschen sich Vertrauen, Austausch und Zusammenarbeit.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Pause<\/p>\n<p><b>Angeh\u00f6rige<\/b> (Die Karten werden zun\u00e4chst vorgelesen.)<\/p>\n<p><b>Kartenabfrage:<\/b> Wie wollen Angeh\u00f6rige nicht behandelt werden? Was wollen sie nicht mehr erleben?<\/p>\n<ul>\n<li>als unwichtig, als Randerscheinung, als unwissend<\/li>\n<li>Keine Infos bekommen, warten in der Telefonschleife &gt; dort vergessen werden.<\/li>\n<li>\u201eDu bist schuld, wenn es mir schlecht geht, wenn du nicht immer R\u00fccksicht auf mich nimmst.\u201c<\/li>\n<li>Als Angeh\u00f6rige w\u00fcnsche ich mir eine wesentlich bessere Information des behandelnden Arztes in der Klinik. Man bekommt \u00fcberhaupt keine und muss alle M\u00f6glichkeiten aussch\u00f6pfen (Freunde, Familie, Internet) sich Infos selbst zu beschaffen.<\/li>\n<li>Keiner hat Zeit f\u00fcr meine Fragen zur Erkrankung meines Angeh\u00f6rigen.<\/li>\n<li>Als Angeh\u00f6riger bekommt man keine Informationen.<\/li>\n<li>Werden oft nicht ernst genommen, obwohl sie den Betroffenen sehr gut kennen.<\/li>\n<li>Sie sind schlecht informiert \u00fcber den Psychiatriealltag.<\/li>\n<li>Teilhabe, Einbezug, Kontaktperson<\/li>\n<li>Werden von den betroffenen Angeh\u00f6rigen oft strapaziert.<\/li>\n<li>Ein minderj\u00e4hriges Kind stand alleine da, als die Mutter in die Klinik musste.<\/li>\n<li>Offen aufkl\u00e4ren<\/li>\n<\/ul>\n<p><b>Gespr\u00e4chsnotizen<\/b><\/p>\n<ul>\n<li>Es wurde bem\u00e4ngelt, dass man kaum Informationen bekommt und um ein Gespr\u00e4ch mit dem Arzt bitten oder gar betteln muss.<\/li>\n<li>Es wurde angemerkt, dass die \u00c4rzte oft \u00fcberlastet sind mit dem Papierkram und deshalb zu wenig Zeit f\u00fcr die Menschen haben.<\/li>\n<li>Die Betroffenen werden oft isoliert behandelt und die Angeh\u00f6rigen werden nicht einbezogen.<\/li>\n<li>Ein Betroffener erz\u00e4hlt, dass er in seiner Psychose seine liebsten Angeh\u00f6rigen oft nicht sehen wollte.<\/li>\n<li>Die Schweigepflicht wurde erw\u00e4hnt.<\/li>\n<li>Ein Betroffener erz\u00e4hlte, dass er auch nicht gen\u00fcgend informiert wurde bzw. die Informationen in der Psychose nicht verstanden hat.<\/li>\n<li>Ein beruhigendes informelles Gespr\u00e4ch wurde zu Beginn der Erkrankung als wichtig angesehen. Wenn Angeh\u00f6rige ruhiger sind, hat dies auch positive Auswirkungen auf den Betroffenen.<\/li>\n<li>Ein Arzt merkt an, dass der Umgang mit Angeh\u00f6rigen generell ein Problem in der Medizin ist.<\/li>\n<li>Eine Angeh\u00f6rige kritisierte, dass Angeh\u00f6rige als Ressource und als Helfer gebraucht, aber sonst nicht einbezogen w\u00fcrden.<\/li>\n<li>Eine Angeh\u00f6rigengruppe wurde gew\u00fcnscht. (Die alte Gruppe ist gerade mangels Teilnehmer aufgegeben worden.)<\/li>\n<li>Eine Angeh\u00f6rige berichtet, dass in den Niederlanden die Arbeit mit den Angeh\u00f6rigen besser l\u00e4uft und dies Zeit in der Behandlung erspart.<\/li>\n<li>Ein Profi erz\u00e4hlt, er w\u00fcrde feste Gespr\u00e4che mit den Angeh\u00f6rigen vereinbaren und einhalten.<\/li>\n<li>Bei einer Erstbehandlung wurde eine Infostunde oder Sprechstunde f\u00fcr Angeh\u00f6rige als Idee vorgeschlagen. Hier sei hoher Informationsbedarf.<\/li>\n<li>Es wurden auch Sozialarbeiter f\u00fcr den Notdienst gew\u00fcnscht, damit Minderj\u00e4hrige nicht alleine auf sich angewiesen sind. Eine Sozialarbeiterin erkl\u00e4rt, laut \u00a7 8a Kinder- und Jugendhilfegesetz muss der Arzt vom Dienst das Jugendamt in diesem Fall anrufen. Dort gibt es einen Notdienst, der zust\u00e4ndig ist.<\/li>\n<li>Auch Angeh\u00f6rige werden durch die Erkrankung oft traumatisiert. Sie m\u00fcssen damit alleine fertig werden.<\/li>\n<li>Es wurde bem\u00e4ngelt, dass es kein systemisches Denken in der Klinik bei der Behandlung gibt. Die Angeh\u00f6rigen werden deshalb meist nicht mit einbezogen.<\/li>\n<li>Eine Angeh\u00f6rige erz\u00e4hlt, sie wurde zun\u00e4chst von den \u00c4rzten um Informationen gebeten, dann nach Hause geschickt und nicht mehr einbezogen. Nach der Entlassung musste sie ohne Hilfe zu Hause alleine mit dem ver\u00e4nderten Betroffenen klar kommen. Jetzt war die Klinik nicht mehr zust\u00e4ndig.<\/li>\n<li>Die Klinik wurde als z\u00e4her Brei und als gro\u00dfer Tanker dargestellt. Eine Ver\u00e4nderung sei nur schwer zu erreichen.<\/li>\n<li>Es werden noch immer Betroffene und auch Angeh\u00f6rige missachtet. Es wird zwar viel getan, aber es muss noch viel ge\u00e4ndert werden.<\/li>\n<li>Es wurde angemerkt, dass auch nicht jeder Profi geeignet f\u00fcr seinen Beruf ist. Manche sind \u00fcberfordert. Auch bei geeigneten sind die Bedingungen oft so, dass sie \u00fcberfordert werden von den Umst\u00e4nden.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Nach der Diskussion wurde festgehalten, wie Angeh\u00f6rige behandelt werde m\u00f6chten und sollten.<\/p>\n<p><b>Ergebnisse:<\/b> Wie m\u00f6chten Angeh\u00f6rige behandelt werden?<\/p>\n<ul>\n<li>Sie w\u00fcnschen vor allem mehr Informationen und mehr Zeit f\u00fcr Gespr\u00e4che.<\/li>\n<li>Sie sollten &#8211; so weit m\u00f6glich und gew\u00fcnscht &#8211; mit in das Behandlungssystem einbezogen werden. Sie k\u00f6nnen die Behandlung unterst\u00fctzen. Sie werden beruhigt durch Informationen und k\u00f6nnen so beruhigend auf ihren Angeh\u00f6rigen einwirken.<\/li>\n<li>Die Internetseiten der Klinik sollten aktuell sein.<\/li>\n<li>Manchmal brauchen die Angeh\u00f6rigen auch Ruhe vor den Betroffenen. Der Klinikaufenthalt des Betroffenen kann auch zur Erholung genutzt werden.<\/li>\n<li>Sie brauchen oft Unterst\u00fctzung im Umgang mit ihren \u00c4ngsten, vor allem, wenn sie einsam und alleine sind.<\/li>\n<\/ul>\n<p><b>Betroffene<\/b> (Die Karten wurden zun\u00e4chst vorgelesen.)<\/p>\n<p>Kartenabfrage: Wie wollen Betroffene nicht behandelt werden? Was wollen sie nicht mehr erleben?<\/p>\n<ul>\n<li>zu wenig Zeit f\u00fcr Arztgespr\u00e4che.<\/li>\n<li>zu viel Zeit auf der Station.<\/li>\n<li>unm\u00fcndig<\/li>\n<li>ungeduldig<\/li>\n<li>als minderwertig<\/li>\n<li>ignoriert werden<\/li>\n<li>respektlos als Mensch 2. Klasse behandelt<\/li>\n<li>verst\u00e4ndnislos<\/li>\n<li>alle Patienten werden gleich behandelt, egal ob richtig oder falsch<\/li>\n<li>Menschen meiden den Kontakt zu mir und kommen nicht zu Besuch.<\/li>\n<li>Meine Gef\u00fchle werden nicht ernst genommen. Ich soll nur Tabletten schlucken. Die anderen Probleme und Dinge werden nicht besprochen.<\/li>\n<li>w\u00fcrdelos<\/li>\n<li>Ganz sp\u00e4rliche Infos seitens der \u00c4rzte. Sagen nur \u201eDas schaffen wir schon.\u201c<\/li>\n<\/ul>\n<p><b>Gespr\u00e4chsnotizen<\/b><\/p>\n<ul>\n<li>Betroffene beschweren sich, dass sie von den Pflegern oft wie kleine Kinder behandelt worden sind. Einer erz\u00e4hlt, man habe ihm an Weihnachten mitten in einem Film den Fernseher ausgeschaltet.<\/li>\n<li>Man war sich einig, dass manche PflegerInnen ihre Machtposition gerne mal ausnutzen.<\/li>\n<li>Eine Betroffene berichtet, eine Frau wurde gezwungen falsche Medizin zu schlucken. Sie habe es bemerkt, aber der Pfleger habe sie trotzdem gezwungen. Andere berichten, dies k\u00e4me h\u00e4ufiger vor, als man glaubt.<\/li>\n<li>Schlimm sei es, wenn das Pflegepersonal im Stress sei. Einger\u00e4umt wurde, dass das Pflegepersonal der Prellbock zwischen Betroffenen und \u00c4rzten sei und einiges abbekommen.<\/li>\n<li>Betroffen w\u00fcnschen sich einen menschlichen Ton.<\/li>\n<li>Es wird von den Betroffenen mehr Individualit\u00e4t gew\u00fcnscht. Jemand wurde zum Fr\u00fchst\u00fcck gezwungen, obwohl er es so fr\u00fch nicht vertr\u00e4gt.<\/li>\n<li>Die Situation auf der Aufnahmestation wurde noch einmal hinterfragt. Von anderen Patienten h\u00e4tten Betroffene erfahren, dass Knast nicht so schlimm sei. Hier werden aber Kranke behandelt, teils noch halbe Kinder. Ein Betroffener berichtet, der \u00dcberwachungsraum sei der blanke Horror. Er habe die ganze Nacht geweint. Es sei stinklangweilig, es gibt nichts zu tun. Man werde erst gebrochen, dann wieder aufgebaut. Man braucht starke Nerven, um diese Station zu \u00fcberstehen.<\/li>\n<li>Einige berichten, in Skandinavien w\u00fcrden die Menschen m\u00f6glichst zu Hause gelassen und dort betreut. Dadurch w\u00fcrden die Traumatisierungen weitgehend wegfallen.<\/li>\n<li>Die Betroffenen w\u00fcnschen sich mehr Informationen von den Profis.<\/li>\n<li>Es wird auf die Stigmatisierung in der Bev\u00f6lkerung hingewiesen.<\/li>\n<li>Im Umgang mit Freunden und Nachbarn hatten einige Angeh\u00f6rige und Betroffenen gute Erfahrungen mit einem offenen Umgang gemacht. Eine Angeh\u00f6rige war erstaunt, dass sie so viel \u00fcber psychische Erkrankungen in ihrer Umgebung erfuhr, nachdem sie von den eigenen Erfahrungen mit ihrem Angeh\u00f6rigen erz\u00e4hlte.<\/li>\n<li>Ein Betroffener meint, es w\u00e4re sehr anstrengend ein Geheimnis aus der Erkrankung zu machen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Nach der Diskussion wurde festgehalten, wie Betroffene behandelt werden wollen.<\/p>\n<p><b>Ergebnisse:<\/b> Wie wollen Betroffene behandelt werden?<\/p>\n<ul>\n<li>Sie w\u00fcnschen sich ein bisschen mehr Freundlichkeit und mehr Menschlichkeit.<\/li>\n<li>Sie m\u00f6chten ernst genommen werden, akzeptiert und als Partner gesehen werden. Um etwas zusammen zu errreichen.<\/li>\n<li>Die \u201eTraumastation\u201c soll umge\u00e4ndert werden.<\/li>\n<li>Sie wollen nicht stigmatisiert werden und wollen nicht, dass man ein Geheimnis aus der Krankheit machen muss.<\/li>\n<li>Die Langeweile auf den Stationen wollen sie nicht.<\/li>\n<li>Sie w\u00fcnschen sich eine ganzheitliche Behandlung und nicht nur Medikamente. Sie wollen wissen, was hinter den Symptomen steckt.<\/li>\n<li>Eine system\u00fcbergreifende Behandlung und Absprache von mehreren Institutionen wurde als sinnvoll erachtet. (Helferkonferenz) Die Struktur dazu k\u00f6nnte durch Sozialarbeiter erfolgen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Zum Abschluss l\u00e4sst Herr Schmidt den Redestein kreisen. Die Teilnehmer k\u00f6nnen sich noch zu der Frage \u00e4u\u00dfern: \u201eWas nehme ich aus dem Seminar mit? Was lasse ich hier?\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Protokoll des Psychoseseminars vom 20.4.2011 19.00 \u2013 21.15 Uhr 15 Teilnehmer Moderation: Matthias Schmidt, Protokoll: Brunhilde Sieburg Herr Schmidt begr\u00fc\u00dft die G\u00e4ste und stellt Dr. Zwernemann aus der Klinik vor. Zun\u00e4chst sollen sich die Teilnehmer \u00fcberlegen, welche negativen Erfahrungen sie im Umgang miteinander gemacht haben. Die Erfahrungen sollen in Stichpunkten auf farbige Karten geschrieben werden. 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