{"id":252,"date":"2010-09-15T17:50:02","date_gmt":"2010-09-15T15:50:02","guid":{"rendered":"https:\/\/psychose-seminar.info\/?page_id=252"},"modified":"2010-09-15T17:50:02","modified_gmt":"2010-09-15T15:50:02","slug":"paranoia-borderline-schizophrenie-manisch-depressiv-persoenlichkeitsstoerung-alles-psychosen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.psychose-seminar.de\/?page_id=252","title":{"rendered":"Paranoia, Borderline, Schizophrenie, manisch-depressiv, Pers\u00f6nlichkeitsst\u00f6rung &#8211; alles Psychosen?"},"content":{"rendered":"<p><b>Protokoll des Psychoseseminars vom 15.09.2010 von 19.00 \u2013 20.45 Uhr<\/b><\/p>\n<p>Protokollant\/in: Fr. Kinzel<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst erfolgt die Begr\u00fc\u00dfung des Auditoriums und des Gastes, Fr. Dr. K\u00f6rdel<\/p>\n<p><b>1. Woran erkennen Sie als Angeh\u00f6riger, Betroffener oder in der Psychiatrie T\u00e4tiger eine Psychose?<\/b><\/p>\n<p>(jeder schreibt dies auf eine Karte und ein Teilnehmer des Seminars liest die Ergebnisse vor. Die Ergebnisse werden in der Runde diskutiert; Begriffe und Beschreibungen, die allen Anwesenden pr\u00e4gnant f\u00fcr eine Psychose erscheinen wurden an der Flipchart festgehalten)<\/p>\n<p><b>Festgehalten wurden:<\/b><\/p>\n<ul>\n<li>Realit\u00e4tsverlust<\/li>\n<li>Nicht mehr \u201eSich-Selbst\u201c \u2013 sein \/ Aufl\u00f6sen des Ich`s<\/li>\n<li>Parallelwelten<\/li>\n<li>Wahnvorstellungen<\/li>\n<li>Gedankengewirr (\u201eKopf l\u00e4uft \u00fcber\u201c)<\/li>\n<li>Emotionales Chaos<\/li>\n<li>Halluzinationen<\/li>\n<li>Kontrollverlust<\/li>\n<\/ul>\n<p>Es wurden noch einige weitere Begriffe diskutiert, die jedoch keine einheitliche Zustimmungen der Anwesenden fand, weil sie bspw. auch bei anderen Krankheitsbildern oder auch in \u201enormaler\u201c Verfassung auftauchen:<\/p>\n<ul>\n<li>Tiefe Traurigkeit (es wurde genannt, dass diese auch nach dem Verlust eines lieben Menschen auftritt, bei Depressionen etc.)<\/li>\n<li>\u00c4ngste und Panik (bei traumatischen Erlebnissen, realer Bedrohung, Angstst\u00f6rungen etc.)<\/li>\n<li>Aggressives Verhalten (wurde sehr kontrovers diskutiert \u2013 weil viele der Anwesenden dies als Stigmatisierung psychisch erkrankter Menschen sehen, wie diese bspw. in den Medien immer wieder \u201ehochgespielt\u201c wird. Ein Teilnehmer wies darauf hin, dass Aggressives Verhalten in der Allgemeinbev\u00f6lkerung prozentual genau so h\u00e4ufig vorkommt, wie bei Menschen mit psychischer Erkrankung)<\/li>\n<li>\u201eMan f\u00fchlt sich innerlich leer, weil man keinen Ausweg mehr sieht.\u201c<\/li>\n<li>Traumwelt (wurde als Begriff abgelehnt, weil einige begr\u00fcndeten, dass ihre \u201epsychotische Welt\u201c in der akuten Psychose oft sehr real erscheint)<\/li>\n<li>\u201eEine Krankheitsphase, in der der Kranke Dinge denkt oder vielleicht tut, die nicht mit der Realit\u00e4t \u00fcbereinstimmen)<\/li>\n<li>\u201eEtwas sehen, h\u00f6ren, f\u00fchlen, dass es so nicht gibt\u201c<\/li>\n<li>\u201eGespaltene Pers\u00f6nlichkeit\u201c (dieser Begriff wird lt. Fr. Dr. K\u00f6rdel heute nicht mehr verwendet \u2013 hiermit war fr\u00fcher die Schizophrenie gemeint)<\/li>\n<li>Realit\u00e4tsverkennung<\/li>\n<li>\u201eFerne\u201c<\/li>\n<li>\u201eVer-r\u00fccken\u201c der Realit\u00e4t<\/li>\n<\/ul>\n<p>Kurze Zusammenfassung der Ergebnisse des ersten Teils<\/p>\n<p><b>2. Es erfolgt ein kurzer Input von Frau Sieburg bezogen auf ein Buch von Cullberg: \u201eTherapie der Psychosen\u201c, in dem Cullberg postuliert, dass viele Erstdiagnosen zu fr\u00fch gestellt werden und deshalb falsch sind. Zudem geht er davon aus, dass die meisten Menschen bei ihrer ersten Psychose traumatisiert werden und deshalb eine entsprechende psychologische Betreuung dazu brauchen.<\/b><\/p>\n<p>(hierauf folgt ein kurzer Austausch der Anwesenden bzgl. ihren Erfahrungen, die sie mit Diagnosestellungen von Psychosen oder anderen Psychischen Erkrankungen gemacht haben \u2013 hier wird z.B. von einer Teilnehmerin erw\u00e4hnt, dass auch bei anderen Erkrankungen falsche Diagnose\/vorschnelle Diagnosen gestellt werden z.B. bei Asthma.)<\/p>\n<p><b>3. Diagnose Psychose: Sind die im heutigen Seminarthema erw\u00e4hnten Diagnosen Paranoia, Borderline, Schizophrenie, manisch-depressive St\u00f6rung und Pers\u00f6nlichkeitsst\u00f6rung alle Psychosen?<\/b><\/p>\n<p>Es erfolgt eine Diskussion im Plenum und Frau Dr. K\u00f6rdel geht auf die einzelnen Diagnosen hinsichtlich der Fragestellung ein, ob diese Psychosen sind bzw. dies zum Teil bei den Diagnosen vorkommen kann:<\/p>\n<p><b>Borderline-St\u00f6rung:<\/b><\/p>\n<p>\u201ePsychotische Sch\u00fcbe\/Episoden k\u00f6nnen vorkommen; dies ist aber nicht immer der Fall.\u201c Die Borderline-St\u00f6rung z\u00e4hlt zu den Pers\u00f6nlichkeitsst\u00f6rungen.<\/p>\n<p><b>Pers\u00f6nlichkeitsst\u00f6rung:<\/b><\/p>\n<p>Lt. Fr. Dr. K\u00f6rdel ist die Pers\u00f6nlichkeitsst\u00f6rung gekennzeichnet durch besonders ausgepr\u00e4gte Pers\u00f6nlichkeitsmerkmale, die \u201enicht kommen und gehen\u201c, wie bei Episoden anderer psychischer Krankheitsbilder. Pers\u00f6nlichkeitsmerkmale wie zwanghaftes Verhalten, abh\u00e4ngiges, narzistisch-selbstverliebtes, depressives Verhalten etc. ist in unterschiedlicher Auspr\u00e4gung bei jedem Menschen vorhanden. Nur wenn diese Pers\u00f6nlichkeitsmerkmale eine extreme Auspr\u00e4gung haben und der Mensch dadurch mit sich selbst oder anderen in Schwierigkeiten ger\u00e4t, spricht man von einer Pers\u00f6nlichkeitsst\u00f6rung.<\/p>\n<p>Bei Pers\u00f6nlichkeitsst\u00f6rungen (au\u00dfer der Borderline-St\u00f6rung (siehe oben), wie bspw. der abh\u00e4ngigen Pers\u00f6nlichkeitsst\u00f6rung, der Narzistischen Pers\u00f6nlichkeitsst\u00f6rung etc. kommen in der Regel keine psychotischen Episoden vor.<\/p>\n<p><b>Manisch-depressiv (Bipolare St\u00f6rung\/Affektive St\u00f6rung)<\/b><\/p>\n<p>Lt. Frau Dr. K\u00f6rdel gekennzeichnet durch emotionales Chaos (z.B. in der Manie \u2013 extrem gehobene Stimmung; in der Depression \u2013 extrem niedergedr\u00fcckte Stimmung).<\/p>\n<p>Bei der Manisch-depressiven St\u00f6rung ist es lt. Fr. Dr. K\u00f6rdel eher selten, dass diese Psychotische Ausma\u00dfe hat; dies ist dann der Fall, wenn ein Realit\u00e4tsverlust hinzukommt. Es gibt die Manisch-depressive St\u00f6rung mit (eher selten) und ohne psychotische Symptome).<\/p>\n<p><b>Schizophrenie<\/b><\/p>\n<p>Die Schizophrenie gilt lt. Fr. Dr. K\u00f6rdel als \u201eklassische\u201c psychotische St\u00f6rung. Es gibt zahlreiche Unterformen (Z.B. die paranoide Schizophrenie ), die alle als Psychosen gelten. Bei der Schizophrenie \u201everschwimmt\u201c die \u201eIch-Grenze\u201c zwischen Innen und Au\u00dfen. Jedoch ist nicht jedes Psychoseerleben gleich einer Schizophrenie. Hierzu m\u00fcssen ganz genaue Kriterien erf\u00fcllt sein, um diese Diagnose zu stellen. Es gibt unterschiedliche Verl\u00e4ufe. Bei ca. 1\/3 der Betroffenen kommt eine einmalige Episode vor, bei einem weiteren Drittel immer mal wieder Episoden und bei einem letzten Drittel der Menschen verl\u00e4uft die Erkrankung chronisch.<\/p>\n<p><b>Paranoia<\/b><\/p>\n<p>eine seltene chronische, anhaltende Psychose, nicht zu verwechseln mit der Unterform \u201eparanoide Schizophrenie\u201c (siehe oben Schizophrenie), deren Verlauf wie oben erl\u00e4utert nur bei einem Drittel der Betroffenen chronisch verl\u00e4uft und ansonsten einmalig oder mehrmals auftreten kann.<\/p>\n<p><b>Abschlussrunde<\/b> &#8211; ein Stein wird in die Runde gegeben: Was hat Ihnen diese Veranstaltung gebracht? (Was nehmen Sie mit? Was lassen Sie hier?)<\/p>\n<p>Verabschiedung und Bedanken bei den G\u00e4sten.<br \/>\n<b>Literaturhinweise:<\/b><\/p>\n<p>\u201ePsychosen aus dem schizophrenen Formenkreis&#8220;, Ratgeber f\u00fcr Patienten und Angeh\u00f6rige, Leitfaden f\u00fcr professionelle Helfer, Einf\u00fchrung f\u00fcr interessierte Laien Josef B\u00e4uml, 2. Auflage, 2008, 21,95 \u20ac.<\/p>\n<p>\u201eRatgeber Schizophrenie&#8220;, Hahlweg, Dose, Hogrefe-Verlag 2005, 9,95 \u20ac.<\/p>\n<p>\u201eTherapie der Psychosen\u201c Ein interdisziplin\u00e4rer Ansatz, Johan Cullberg, Bonn 2008, ISBN 978-3-88414-435-0, 49.95 \u20ac<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Protokoll des Psychoseseminars vom 15.09.2010 von 19.00 \u2013 20.45 Uhr Protokollant\/in: Fr. Kinzel Zun\u00e4chst erfolgt die Begr\u00fc\u00dfung des Auditoriums und des Gastes, Fr. Dr. K\u00f6rdel 1. Woran erkennen Sie als Angeh\u00f6riger, Betroffener oder in der Psychiatrie T\u00e4tiger eine Psychose? 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