{"id":171,"date":"2005-11-16T15:31:45","date_gmt":"2005-11-16T13:31:45","guid":{"rendered":"https:\/\/psychose-seminar.info\/?page_id=171"},"modified":"2021-09-29T00:13:59","modified_gmt":"2021-09-28T22:13:59","slug":"wie-koennen-depression-und-psychose-zusammen-haengen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.psychose-seminar.de\/?page_id=171","title":{"rendered":"Wie k\u00f6nnen Depression und Psychose zusammen h\u00e4ngen?"},"content":{"rendered":"\n<p><b>Protokoll des Psychoseseminars vom 16.11.2005<\/b><\/p>\n\n\n\n<p><b>Als Warm up wird zuerst nach der Definition von Psychose gefragt.<\/b><\/p>\n\n\n\n<p>Die BesucherInnen bekommen rosa Karten und Stifte und schreiben auf, welche Eindr\u00fccke und Erfahrungen f\u00fcr sie bedeutsam sind, im Zusammenhang mit Psychose. Die Karten werden danach vorgelesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Arbeitsergebnisse waren:<\/p>\n\n\n\n<ul><li>F\u00fchlen, sehen und h\u00f6ren von Dingen, die nicht real vorhanden sind,<\/li><li>Getrieben sein<\/li><li>Schlaflosigkeit<\/li><li>Wahnvorstellungen<\/li><li>Unrealistische andere Wahrnehmungen<\/li><li>Angstzust\u00e4nde<\/li><li>Gef\u00fchlschaos<\/li><li>Sich nicht mitteilen k\u00f6nnen<\/li><li>Antriebslosigkeit<\/li><li>Vernachl\u00e4ssigung der Hygiene<\/li><li>Sich beobachtet f\u00fchlen<\/li><li>Optische Halluzinationen<\/li><li>Stimmen h\u00f6ren<\/li><li>\u00c4ngste, welche man nicht verarbeiten kann<\/li><li>Eine andauernde Erkrankung die auf Dauer die Seele frisst<\/li><li>St\u00f6rungen im Kontakt<\/li><li>Viel Angst<\/li><li>Probleme, die Krankheit zu erkennen und anzuerkennen<\/li><li>Wahn<\/li><li>Ich verstehe unter einer Psychose, aus eigener Erfahrung, dass sie ein aus mehreren Kategorien bestehendes Wahrnehmungsbild ist, das sich auf jeden Menschen anders auswirkt und erlebt wird. Bei mir sind es \u00fcberwiegend \u00c4ngste.<\/li><li>Aggressivit\u00e4t<\/li><li>Denkunterbrechungen<\/li><li>Vertr\u00e4umt sein<\/li><li>Kaum Unterscheidung von Traum und Wirklichkeit<\/li><li>Verwirrung<\/li><li>Nur mit starken Medikamenten kann die Psychose zur\u00fcck gedr\u00e4ngt werden und das eigene ich hat wieder eine Chance empor zu kommen.<\/li><li>St\u00f6rungen des Denkens, F\u00fchlen und Wollens<\/li><li>Eine Erkrankung, die viel Angst macht, sich aber gut behandeln l\u00e4sst, \u00fcber die die \u00d6ffentlichkeit viel zu wenig wei\u00df.<\/li><li>Gleichgewichtsst\u00f6rungen der Psyche<\/li><li>Irreale Vorstellungen<\/li><li>Gest\u00f6rter Gegenwartsbezug<\/li><li>Sachen sehen, die nicht wirklich da sind<\/li><li>In einer anderen Wirklichkeit leben<\/li><li>Gef\u00fchle fahren Achterbahn<\/li><li>Wenn die Realit\u00e4t und sie Phantasie durcheinander geraten<\/li><li>Unkontrollierbare Gedanken<\/li><li>Wahnvorstellungen gegen jegliche Form der \u00dcberwachung<\/li><li>Angst vorm Auslesen von Gedanken und intimen Geheimnissen<\/li><li>Misstrauen<\/li><li>Realit\u00e4tsverlust<\/li><li>Totale Zur\u00fcckgezogenheit<\/li><li>Betroffener schwer zu \u00fcberzeugen Hilfe anzunehmen<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Bei der Betrachtung der Karten kristallisiert sich heraus, dass Psychose und Angst bei vielen TeilnehmerInnen eng zusammen geh\u00f6ren. Dies kann z.B. daran liegen, dass die Gef\u00fchle extrem aus dem Gef\u00fcge geraten und dieser Kontrollverlust \u00c4ngste hervorruft. Begibt man sich mit diesem Kontrollverlust und dem Gef\u00fchl des starken Misstrauens in Behandlung (fremde H\u00e4nde), vermehren sich die \u00c4ngste, weil die Selbstbestimmung verloren gegangen oder zum Teil verloren gegangen ist. Auch die politischen Geschehnisse in der Umwelt mit der dazu geh\u00f6renden Medienpolitik, k\u00f6nnen gerade bei Menschen mit erh\u00f6hter seelischer Sensibilisierung und Verletzlichkeit zu vermehrten \u00c4ngsten f\u00fchren. So kann der unfreiwillige Ausstieg aus den gesellschaftlichen Zusammenh\u00e4ngen (Arbeit, Ausbildung, soziale Kontakte) ebenso zum Anstieg der \u00c4ngste f\u00fchren. Das Gleichgewicht von Misstrauen und Vertrauen ist gest\u00f6rt und auch Grund f\u00fcr die Angst. Bei der Darstellung im Schaubild stellt sich heraus, das dass sog. Residuum oder der Restzustand starke Depressionen und starke Antriebslosigkeit hervor bringen kann.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img src=\"https:\/\/images.psychose-seminar.de\/p-seminar\/Depression.png\" alt=\"x\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p><b>Erkl\u00e4rungen<\/b><\/p>\n\n\n\n<ul><li>Prodromale Phase: vor dem Ausbruch der Psychose, keine oder sehr wenige Symptome<\/li><li>Aktute Phase: starke Symptomatik<\/li><li>Postpsychotische Phase: abklingen der Symptome<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Die BesucherInnen bekommen wei\u00dfe Karten und schreiben auf, was sie unter Depression verstehen und damit verbinden:<\/p>\n\n\n\n<p>Arbeitsergebnisse waren:<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Alles sieht nur negativ aus<\/li><li>Antriebslosigkeit<\/li><li>Suizidversuch oder Suizidgedanken<\/li><li>Medikamente helfen nicht dauerhaft<\/li><li>Man f\u00fchlt sich minderwertig<\/li><li>Depressionen habe ich von anderen vermittelt bekommen, als ganz Extreme Wesensver\u00e4nderung und zwar von \u201ehimmelhoch jauchzend zu Tode betr\u00fcbt<\/li><li>Man lebt in der Realit\u00e4t ist aber selber hilflos die eigene Zukunft zu gestalten<\/li><li>Angst vor der Zukunft<\/li><li>Man sieht weder einen Weg noch einen Ausweg (Wie bin ich in diesen Zustand gekommen?)<\/li><li>St\u00e4ndige M\u00fcdigkeit<\/li><li>Konzentrationsschw\u00e4chen<\/li><li>Konzentrationsschwierigkeiten<\/li><li>Angstgef\u00fchle<\/li><li>Wenn die Kraft f\u00fcr die einfachsten Aktivit\u00e4ten des Alltags nicht mehr reicht<\/li><li>Seelenfinsternis<\/li><li>Traurigkeit, Absondern, nicht arbeiten k\u00f6nnen, alles ist zuviel, sich nicht freuen k\u00f6nnen, sich nicht verstanden f\u00fchlen,<\/li><li>Angst vor dingen die nicht bestehen<\/li><li>Allgemeines in Frage stellen der Dinge bis hin zum Sinn des Lebens<\/li><li>Sich f\u00fchlen wie im \u201efreien Fall\u201c<\/li><li>Ganz still werden<\/li><li>Man kommt nicht dagegen an<\/li><li>Man kommt sich vor wie ein Versager (zu weich) trotz vorheriger 150% Leistung<\/li><li>Stimmen<\/li><li>Ent-Ichung bis zum Suizid (-versuch)<\/li><li>Schuldgef\u00fchle<\/li><li>Kein Interesse an Dingen, die man sonst gerne gemacht hat<\/li><li>Man kann sich nicht mitteilen<\/li><li>Ich merke bei mir h\u00e4ngt die Depression mit der Psychose zusammen, weil ich nach jedem misslungenen Versuch meine Psychose in den Griff zu kriegen, scheiterte und das macht mich depressiv und wirft mich immer weiter zur\u00fcck. Ich k\u00f6nnte es auch Resignation nennen.<\/li><li>Man kommt nicht an die Person heran<\/li><li>Gef\u00fchl der Gef\u00fchllosigkeit<\/li><li>Es gibt Depessionen mit und ohne Wahnerleben (Depressionen + Psychose)<\/li><li>Freudlosigkeit<\/li><li>Hoffnungslosigkeit<\/li><li>Schlafst\u00f6rungen<\/li><li>Appetitlosigkeit<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Im Verlauf des Seminars stellt sich heraus, dass Depression und Psychose jede f\u00fcr sich eigene Krankheitsbilder sind. Ca. 1-2% der bundesrepublikanischen Bev\u00f6lkerung erkranken an einer Psychose, w\u00e4hrend es min. 10% sind die an einer Depression Erkranken. Bei beiden Krankheitsbildern kann es zu Suizidalit\u00e4t kommen. Bei einer Psychose ist das erleben stark durch den Faktor Reiz\u00fcberflutung gekennzeichnet, w\u00e4hrend bei einer Depression Antriebslosigkeit, Gef\u00fchlsleere und Sinnlosigkeit in Bezug auf die eigene Pers\u00f6nlichkeit und das eigene Handeln bestehen kann. Woran kann man erkennen ob es sich um Depressionen durch ein Residuum handelt, oder ob die Depressionen f\u00fcr sich stehen? Die Antwort des Arztes lautet dazu: Diese Frage sollte man mit dem behandelnden Arzt bearbeitet und eine Antwort erfordert beiderseits viel Zeit. Ebenso ist eine Frage ob dauerhaft \u201egehandicapt\u201c ist? Dies kann aber individuell unterschiedlich sein. In der Regel bleiben nach einer Psychose \u201eNarben\u201c zur\u00fcck. Es kommt z. B. auch darauf an, wann eine Medikation\/ Behandlung angesetzt wurde. Es gibt noch eine Schnittstelle zwischen Psychose und Depression. Beide Krankheitsbilder k\u00f6nnen einen mehr oder weniger starken sozialen R\u00fcckzug bewirken.<\/p>\n\n\n\n<p>Durch den fehlenden Umweltbezug besch\u00e4ftigt man sich vermehrt mit sich selbst und bekommt keine Spiegelung durch die Umwelt. Faktoren wie Selbsteinsch\u00e4tzung und Selbstbewusstsein k\u00f6nnen ganz dahinschwinden. Auf die Frage hin, ob das Krankheitsbild Depression sich zu einer Psychose entwickeln k\u00f6nnen wird verneint.<\/p>\n\n\n\n<p>Gegen Veranstaltungsende wird eine Blitzlichtrunde durchgef\u00fchrt. Was konnte man in dem Seminar f\u00fcr sich mitnehmen?<\/p>\n\n\n\n<p>Verabschiedung der G\u00e4ste und Hinweis auf das n\u00e4chste Seminar am 21.12.2005 unter dem Thema: Warum habe ich kein dickes Fell? \u2013 Psychose und seelische Verletztlichkeit<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Protokoll des Psychoseseminars vom 16.11.2005 Als Warm up wird zuerst nach der Definition von Psychose gefragt. Die BesucherInnen bekommen rosa Karten und Stifte und schreiben auf, welche Eindr\u00fccke und Erfahrungen f\u00fcr sie bedeutsam sind, im Zusammenhang mit Psychose. Die Karten werden danach vorgelesen. 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